Kassen-Blockade: Sonnen-Apotheke darf nicht verblistern | APOTHEKE ADHOC
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Kassen-Blockade: Sonnen-Apotheke darf nicht verblistern

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Berlin -

1990 hat er seine Approbation erhalten. 1992 ist er von Hamburg nach Wismar, von West nach Ost umgezogen – gegen den Trend. „Das habe ich nie bereut“, erzählt Tim Langenbuch heute. In Wismar führt er eine Vorzeige-Apotheke. „Eine der modernsten im Land“, titelte kürzlich die Ostsee-Zeitung. In der Sonnen-Apotheke werden auch Zytostatika hergestellt und Arzneimittel verblistert. Aber hier kommt der Apotheker nicht so voran wie erhofft: „Ich möchte ambulante Pflegedienste mit Blistern unterstützen. Aber die Krankenkassen weigern sich“, kritisiert Langenbuch.

Das Herz des Apothekers schlägt für die Verblisterung: „Ich bin ein Blister-Fan“, so Langenbuch, der noch großes Entwicklungspotential für dieses Angebot sieht. „Immer mehr ältere, mulitmorbide Patienten sind mit ihrer Medikation überfordert.“ Inzwischen lassen sich 30 Patienten auf eigenen Rechnung die Blister wöchentlich von der Sonnen-Apotheke vorbereiten. Das kostet 2,50 Euro und eine einmalige Aufnahmegebühr von 20 Euro. Auch ein Pflegeheim mit 120 Bewohnern versorgt Langenbuch mit Blistern.

Zwei Mitarbeiter arbeiten seit 2014 in der Blister-Abteilung, eine PTA und eine Apothekerin. Eigentlich wollte der Apotheker im nächsten Schritt mit ambulanten Pflegediensten zusammenarbeiten. „Die haben großen Bedarf. Die Zeit der Pflegekräfte ist kostbar und knapp. Durch die Verblisterung gewinnen die Pflegedienste Zeit für andere wichtige Aufgaben am Patienten und die Arzneimittelsicherheit steigt“, so Langenbuch.

Doch bis auf Weiteres bleibt diese Tür verschlossen: „Die Rahmenverträge der Pflegedienste enthalten ein Subunternehmerverbot.“ Daher dürfe er derzeit keine Blister liefern. Mit Kassen und der Politik will Langenbuch darüber sprechen, wie man den Weg frei machen kann.

Doch die AOK Nordost sagt Nein und zieht sich auf formale Gründe zurück: „Die Leistung Blistern, also das Richten von ärztlich verordneten Medikamenten, wie beispielsweise Tabletten, die laut ärztlicher Verordnung zu bestimmten Zeitpunkten eingenommen werden müssen, wird durch die Nummer 26 der Richtlinie Häusliche Krankenpflege-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesauschusses geregelt. Hier ist festgelegt, dass diese Leistung nur ein mit den Kostenträgern gemäß § 132a SGB V vertraglich gebundener Pflegedienst übernimmt, damit diese Leistung auch abgerechnet werden kann. Eine Apotheke kann daher in diesem Fall das Blistern nicht übernehmen“, so die Kasse.

Apotheker Langenbuch will das nicht gelten lasse: „In Altenheimen fordert der Medizinische Dienst regelmäßig das Verblistern, aber im ambulanten Bereich versucht man das zu verhindern. Dass passt nicht zusammen.“

Trotz des Ärgers ist die Sonnen-Apotheke stolz auf ihre Leistungen: „Durch unser breites Leistungsspektrum, unser motiviertes und hervorragend geschultes Personal und unser großes Warenlager unterscheiden wir uns von vielen anderen Apotheken. Unsere Labore zur Herstellung steriler Zubereitungen und zur maschinellen Verblisterung machen uns zusammen mit unserem automatischen Warenlager zu einer der modernsten Apotheken Deutschlands“, heißt es selbstbewusst auf der Internetseite.

Auch ein Onlineshop gehört seit Kurzem zum Angebot der Sonnen-Apotheke, die in einem Ärztehaus liegt. Darin können die Kunden sehen, welche Artikel vorrätig sind, welche Artikel bestellt werden müssen. Nach der Bestellung können die Kunden wählen, ob diese per Boten oder per Post geliefert liefern werden oder ob sie sie in der Apotheke abholen wollen.

„Wir waren immer die ersten“, beschreibt der Apotheker sein Erfolgsgeheimnis: „Beim Botendienst, beim Blister, bei der Zyto-Herstellung und bei den Kundenkarten.“ Auch der moderne Kommissionierer zählt für Langenbuch zu den Pluspunkten der Apotheke: „Dadurch sind 96 Prozent der Medikamente stets lieferbar.“

Großen Wert legt Langenbuch auf Qualität: „Wir glauben, dass Qualität, wie wir sie uns vorstellen, in einer Apotheke nicht selbstverständlich ist. Daher nutzen wir viele Mechanismen, um diese Qualität zu erreichen und überprüfen zu lassen“, heißt es auf der Internetseite der Sonnen-Apotheke. Hinter dieser Aussage steckt ein intensives Programm: „Wir legen großen Wert auf externes Qualitätsmanagement“, so der Apotheker. Bis zu vier „Pseudo-Customer“ der Apothekerkammer inspizieren die Sonnen-Apotheke jährlich. Dabei geht es vor allem um Beratung und Rezeptur.

Das reicht Langenbuch aber nicht aus. Bei der Marketing-Gesellschaft Deutscher Apotheker (MDGA) hat er noch drei weitere Inkognito-Käufer hinzugebucht. Und um die Qualität der Rezeptur zu überprüfen, schickt er regelmäßig Proben an das Zentrallabor Deutscher Apotheker (ZL). Hier werden die Proben auf Reinheit, Gehalt, mikrobielle Sauberkeit und korrekte Beschriftung untersucht. Daneben werden einmal im Jahr über das Zentrallabor die Geräte zur Blutfettmessung und Blutzuckermessung überprüft.

Der Apotheker möchte aber auch erfahren, wie seine Kunden die Apotheker erleben. Zu diesem Zweck besuchen sogenannte „Mystery Shopper“ die Sonnen-Apotheke. Im Gegensatz zum „Pseudo Customer“ handelt es sich beim „Mystery Shopper“ nicht um Apotheker, sondern um ganz „normale“ Kunden, die aus Laiensicht Themen wie Freundlichkeit der Mitarbeiter, Gestaltung der Apotheke und Sauberkeit ins Visier nehmen: „Bei allen Überprüfungsmethoden für die Qualität in unserer Apotheke achten wir darauf, dass unsere Ergebnisse mit denen der anderen Apotheken verglichen werden. Wir sind sehr stolz, dass wir bislang immer zu den Top-Apotheken in Deutschland gehört haben“, so Langenbuch.

Bei so viel Ehrgeiz stellt sich noch die Frage nach der Ausweitung seines Aktionsradius: „Über Filialen denke ich erst gar nicht nach“, weist Landgenbuch solche Fragen zurück: „Ich habe in meinem Laden genug zu tun.“

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