Hessen

Weidemann will Verbandschef bleiben

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Berlin -

Nach der Palastrevolte will Dr. Detlef Weidemann als Vorsitzender des Hessischen Apothekerverbandes (HAV) weitermachen. Gegenüber APOTHEKE ADHOC kündigte er an, bei der anstehenden Neuwahl erneut zu kandidieren und sich auch wieder für den Chefposten zu bewerben. Mit einer aktuellen Mitteilung an die Mitglieder leitete Weidemann satzungsgemäß Neuwahlen ein. In drei Monaten könnte der neue HAV-Vorstand stehen.

Vier der sieben verbliebenen Vorstände hatten am Freitagabend ihren Rücktritt erklärt, weil sie nicht mehr hinter Weidemann stehen. Holger Seyfarth, Mira Sellheim, Miriam Oster und Cornelia Braun hatten den Verbandschef zuvor in seiner Apotheke in Wiesbaden besucht. Sie wollten ihn dazu bringen, aus persönlichen Gründen selbst von seinem Amt zurückzutreten. Da Weidemann dazu am Ende des anderthalbstündigen Gesprächs nicht bereit war, folgte der geschlossene Rücktritt seiner Vorstandskollegen. Zur Begründung hieß es, dass „die Basis einer vertrauensvollen und zukunftsgerichteten Zusammenarbeit“ mit Weidemann nicht mehr bestehe. Parallel wurde der Verbandschef zum sofortigen Rücktritt aufgefordert.

Jetzt reagierte Weidemann mit einer Erklärung auf die Vorgänge: „Sicher erwarten Sie auch eine Stellungnahme zu den jüngsten Vorgängen im HAV-Vorstand.“ Allerdings geht Weidemann in seinem Schreiben nicht auf die Gründe für das Zerwürfnis ein. Nur so viel: Einige Vorstandsmitglieder hätten zeitgleich ihren Rücktritt erklärt.

„Dafür sieht unsere Satzung ein geregeltes Verfahren vor“, so Weidemann. Zunächst erfolge eine Wahlausschreibung mit dem Aufruf, in einer Frist von einem Monat Wahlvorschläge einzureichen. Rund drei Wochen später werde per Brief die Neuwahl erfolgen. Für die Abstimmung sei eine Frist von vier Wochen vorgesehen. „In all dieser Zeit ist unser HAV nicht führungslos“, so Weidemann: „Unsere Satzung regelt auch dies eindeutig: Verantwortung, Pflichten und Rechte liegen beim amtierenden Vorsitzenden.“

Auch könnten sich die HAV-Mitglieder auf das bewährte Team der Geschäftsstelle verlassen, das „tagein tagaus eine hervorragende Arbeit leistet“. Weidemann sieht keinen Anlass für einen Rücktritt: „All das ist ein ganz normaler, demokratischer Vorgang.“ Neuwahlen seien auch immer die Gelegenheit für „neue Köpfe, für neue Gedanken“.

Trotz des internen Streits sei es wichtig, „dass wir alle nach außen die Geschlossenheit unseres Verbandes bewahren. Gerade jetzt schaut die Politik besonders auf uns.“ Schmutzige Wäsche waschen will Weidemann in der Öffentlichkeit nicht: „Lassen Sie uns weiter gemeinsam für unsere berechtigten Anliegen eintreten, so wie wir es gerade erfolgreich getan haben.“

Ob und wie dies gelingt, bleibt abzuwarten. Gegenkandidaten zu Weidemann drängen sich im HAV nicht auf. Der frühere Vize Hans-Rudolf Diefenbach denkt jedenfalls nicht an ein Comeback. Hinter den Kulissen laufen aber Gespräche, einen Gegenkandidaten zu Weidemann in Stellung zu bringen.

Der Konflikt beim HAV schwelt schon länger. Schon kurz nachdem Weidemann Anfang 2015 die Nachfolge des langjährigen Verbandschefs Dr. Peter Homann angetreten hatte, zeigte sich, dass er mit seiner autokratischen Art anecken würde. Bereits im Vorfeld der Wahl Weidemanns gab es Warnungen hinsichtlich seines Führungs- und Kommunikationsstils. Diefenbach warf schon bald das Handtuch.

Spätestens seit Herbst war das Verhältnis endgültig zerrüttet. Weidemanns Vorstandskollegen stießen sich an seinem Führungsstil – sowohl was sein Verhalten gegenüber Geschäftsstelle und Vorstand anging, als auch gegenüber Politik und Kassen. Da Weidemann keinerlei Verständnis für Kritik gezeigt habe, habe man die Reißleine gezogen.

Damit sind neben Weidemann jetzt nur noch zwei Vorstandsmitglieder im Amt: Uwe Arlt und Bernd Rupprecht. Dem HAV-Führungsgremium gehören laut Satzung eigentlich neun Apotheker an. Bei der Wahl im Herbst 2014 war im Kreis Kassel/Fulda mit Dr. Bernd Roesrath aber nur einer von zwei Kandidaten angetreten. Da Roesrath vor einigen Wochen verstorben ist, hatte der Vorstand zuletzt nur noch sieben Mitglieder.

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