Medikationsmanagement

Weigeldt vs. Weidemann

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Düsseldorf -

Beim Deutschen Apothekertag (DAT) nimmt das Thema Medikationsmanagement viel Raum ein. Die Apotheker würden gern mehr Verantwortung übernehmen, aber Politik und Ärzte lassen sie nicht. In Gastbeiträgen in der „Ärzte Zeitung“ nahmen Hausärztechef Ulrich Weigeldt und Detlef Weidemann, Vorsitzender des Hessischen Apothekerverbands (HAV), zu dem Thema Stellung.

Weigeldt sieht die Führungsaufgabe beim Medikationsmanagement bei seinen hausärztlichen Kollegen. Der Chef des Hausärzteverbands erklärt , warum die Apotheker aus seiner Sicht mit der Aufgabe überfordert sind. Beim Medikationsmanagement geht es Weigeldt zufolge vor allem um die Abstimmung der Behandlungen zwischen Haus- und Fachärzten, den Kliniken, selbstverständlich auch den Apothekern. „Diese koordinierende Aufgabe können nur Hausärztinnen und Hausärzte übernehmen“, ist Weigeldt überzeugt.

Hausärzte seien Generalisten, Ärzte für den „ganzen Menschen“, so der Hausärztechef. „Diese komplexe medizinische Kompetenz fußt auf einer fünfjährigen ärztlichen Weiterbildung.“ Damit können aus Weigeldts Sicht die Hausärzte – und nur sie – die Koordination der Behandlung übernehmen.

„Dabei geht es nicht darum, dass andere Heilberufe, beispielsweise Apotheker, schlecht qualifiziert seien, dieser Vorwurf ist aus der Luft gegriffen. Sie sind schlicht und einfach nicht für diese spezifische Aufgabe ausgebildet worden. Ihre Kompetenzen liegen in anderen Bereichen.“ Diese seien unverzichtbar. Es wäre aus Weigeldt Sicht jedoch nicht im Sinne der Patienten, „wenn ärztliche Aufgaben substituiert würden, etwa um Kosten zu sparen.“

HAV-Chef Weidemann sieht beim Medikationsmanagement dagegen einen Informationsvorsprung bei den Apothekern: Immerhin 50 Prozent der konsumierten Arzneimittel in Deutschland seien OTC-Medikamente. „Wir sind hier einfach dichter dran“, so Weidemann in seinem Gastbeitrag. Auch seien die Datenbanken der Apotheker besser ausgestattet als die vieler Ärzte, schon wegen der zweiwöchentlichen Updates.

Weidemann sieht aber vor Ort wenig Probleme mit den Ärzten. Hier funktioniere die Abstimmung meistens sehr gut. „Ich bin jetzt seit 40 Jahren im Beruf, heute gibt es viel weniger Spannungen zwischen Apothekern und Ärzten als früher“, so der HAV-Chef.

Die Ausbildung der Apotheker in Pharmakologie sei heute viel umfangreicher, ein Gespräch auf Augenhöhe mit den Ärzten entsprechend leichter. Trotzdem kenne man seine Grenzen sehr gut: „Apotheker sind keine Barfuß-Mediziner – und Ärzte auch keine Barfuß-Pharmazeuten. Gemeinsam können wir für unsere Patienten das Beste erreichen“, so Weidemann.

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