Honorar für Impf-Zertifikate

Hausärztechef hetzt gegen Apotheken

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Berlin -

Der Ansturm auf die digitalen Impfzertifikate – und die damit verbundenen Probleme – trifft zum überwiegenden Teil die Apotheken. Denn die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hatte unmissverständlich klargestellt, dass die Praxen frühestens ab Juli dabei sein werden. Das hindert den Vorsitzenden des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, aber nicht daran, die Apotheken an den Pranger zu stellen.

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) gab Weigeldt zu Protokoll, dass die „Verhältnismäßigkeit im Fall der Impfnachweise gleich in doppelter Hinsicht nicht gewährleistet“ sei. Denn zum einen bekämen Ärzte für die Impfung selbst inklusive Aufklärung und Beratung 20 Euro, also nur unwesentlich mehr als die 18 Euro, die die Apotheken für das nachträgliche Ausstellen des Zertifikats abrechnen können. „Die ärztliche Leistung selbst zählt scheinbar aktuell deutlich weniger als die Bestrebung, Projekte schnell anzustoßen.“

Darüber hinaus kritisierte er, dass Ärzt:innen für das Erstellen von Impfnachweisen für die eigenen Patient:innen nur sechs Euro erhalten und sogar nur zwei Euro, wenn sie dafür ihr Praxisverwaltungssystem verwenden. Dieser Unterschied sei „nicht erklärbar“, denn der Aufwand sei vergleichbar. Nur bei Patient:innen, die nicht in der eigenen Praxis geimpft wurden, können die Ärzt:innen ebenfalls 18 Euro abrechnen.

Kritisch äußert sich im FAZ-Beitrag auch der FDP-Gesundheitsexperte Andrew Ullmann: „Die Zusammenstellung der Vergütung ist mir schleierhaft. Ich kann sie in der Höhe so nicht nachvollziehen.“ Das Ministerium müsse die Berechnungsgrundlage offenlegen.
Der Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen wirft dem Bundesgesundheitsminixterium (BMG) vor, „keine Lehren aus dem Debakel aus überteuerten Schnelltests und Schutzmasken gezogen“ zu haben. Die digitale Freischaltung des Impfzertifikats dauere wenige Minuten und werde nun finanziell mit einer Corona-Impfung nahezu gleichgestellt. Das Ministerium ermögliche den Apotheken „ein weiteres lukratives Geschäft“ auf Kosten der Bürgerinnen und Bürger.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn verteidigt im Beitrag noch das Honorar. Am Morgen dann in der Gesundheitsministerkonferenz die Kehrtwende.

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