Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt

Grünen-Kandidatin: Apotheken sind zu oft Schlusslicht

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Wiesbaden -

Eigentlich will Sandra Sabine Lüder (Grüne), sofern sie demnächst in Sachsen-Anhalt in den Landtag gewählt wird, vor allem die E-Mobilität voranbringen. Aber auch in der Gesundheitspolitik hat die Pharmareferentin einige Ideen. Dabei sollen auch die Apotheken mehr in den Fokus gerückt werden.

Mehr als 20 Jahre lang hat Lüder als Pharmareferentin gearbeitet, später studierte sie Pharmazeutische Wissenschaften in Freiburg im Bachelor. 2016 zog Lüder wieder in ihre Heimat nach Wittenberg. „Gerade rechtzeitig zu den damaligen Landtagswahlen. Ich fand es erschreckend, wie hoch die Stimmen für die AfD waren, das hat mich wahnsinnig bewegt“, erzählt sie. „Ich will nicht irgendwo wohnen, wo eine rechtsextreme Partei so stark ist, und statt die Koffer zu packen, habe ich beschlossen, selbst politisch aktiv zu werden.“

Ursprünglich sei sie CDU-Wählerin gewesen, allerdings böten die Christdemokraten wenig für Alleinerziehende wie sie – und auch generell für Frauen. Zudem sei sie in Freiburg sehr für den Klima- und Umweltschutz sensibilisiert worden.

Schon seit Sommer 2024 sitzt Lüder für die Grünen im Stadtrat der Lutherstadt Wittenberg. Nun möchte die 57-Jährige in den Landtag ziehen. Bei den im September anstehenden Landtagswahlen ist sie Direktkandidatin für den Wahlkreis 29 (Saalekreis).

Pharmastandort stärken

Lüder möchte sich im Landtag für die Stärkung der Wirtschaft in der Region stark machen. „Wir sind ein Chemie- und Pharmastandort in Sachsen-Anhalt“, erklärt sie. Dieser müsse nicht nur erhalten, sondern weiter ausgebaut werden. Die Wirtschaft müsse bei der ökologischen Transformation unterstützt werden. Aufgrund der geopolitischen Lage seien die Unternehmen in einer schwierigen Situation. Auch Spenden seien zurückgegangen.

Bessere Standortbedingungen für Fachkräfte

Auch das Handwerk und mittelständische Unternehmen stünden vor Herausforderungen. Insbesondere die Unternehmensnachfolge sei ein Thema. „Es ist ein Riesenproblem, dass die Unternehmen keine Nachfolger finden, insbesondere in ländlichen Regionen. Die Betriebe brauchen Unterstützung auf Landesebene.“ Möglich wären hier finanzielle Anreize. Sie könne sich im Gesundheitsbereich zum Beispiel eine Ausweitung der Landarztquote auf weitere Gesundheitsberufe vorstellen.

„Die Generation der Babyboomer geht langsam in Rente, das wird auch viele Apothekenstandorte betreffen“, erklärt sie. Vielen jüngeren Pharmazeuten sei aktuell das wirtschaftliche Risiko zu hoch, um einen eigenen Standort zu übernehmen. Da spielte auch die wachsende Konkurrenz durch Versender mit rein. „Das ist ein riesiges Thema, das auf Bundesebene geklärt werden muss.“

In Lüders Heimatstadt liegt der Hauptsitz der Versandapotheke Mycare, inklusiver zweier Vor-Ort-Apotheken in der Region. Auch die inländischen Versandapotheken leiden ihrer Ansicht nach unter Wettbewerbsnachteilen gegenüber ausländischen Versendern.

Lüder zählt zur Wirtschaftspolitik aber noch viel mehr, insbesondere wenn es um Fachkräfte geht. Denn zu den Standortbedingungen gehöre zum Beispiel auch die Absicherung der Kitas, um junge Familien und Alleinerziehende zu unterstützen. Die Politikerin will unter anderem darauf hinwirken, dass der Betreuungsschlüssel hochgesetzt wird – „so würden wir wenigstens die Erzieher halten und die Standorte sichern“. Auch Wohnraum sei ein riesiges Thema, auch mit Blick auf den Hitzeschutz, ebenso wie der Lehrermangel an Schulen. „Das sind Bereiche, auf die Leute dann achten, die überlegen herzuziehen“, betont Lüder.

Apotheken sind oft Schlusslicht

„Aktuell liegen in der Gesundheitspolitik natürlich viele Sachen auf Bundesebene“, so Lüder. „Das gerade beschlossene GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG) hat viele Baustellen aufgemacht, wir wissen noch gar nicht genau, wie es sich am Ende tatsächlich auswirken wird“, erklärt Lüder. Ähnlich sieht es aus bei dem Beschluss des Wegfalls der Telefon-AU und der Krankschreibung ab Tag 1. „Viele Ärzte sehen das kritisch, wir werden sehen, welche Auswirkungen das tatsächlich auf die Praxen und Wartezeiten haben wird.“

Auf Bundesebene bei uns Grünen geht es in der Gesundheitspolitik oft vorrangig um die Krankenhäuser oder die Ärzte, die Apotheken stehen eher an letzter Stelle“, kritisiert Lüder. „Ich möchte sie jetzt mal mehr in den Fokus rücken.“

Kompetenzerweiterung und Impfen

Das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) gehe schon in die richtige Richtung, so Lüder. Allerdings seien auch hier noch viele Fragen offen. „Ich erlebe in Gesprächen, dass bei den Apotheken mitunter noch viel Skepsis herrscht“, berichtet die Politikerin. So müssten die Anweisungen und Details der neuen Leistungen noch ausgearbeitet werden, Schulungen und Fortbildungen geplant und die Vergütungsfrage geklärt werden. Hierbei dürfe man nicht nur auf die Apotheke schauen, auch die Ausbildungsberufe müssten attraktiver werden.

Auch hinsichtlich der wirtschaftlichen Situation müsste die Branche weiter unterstützt werden. „Das Honorar ist jetzt gerade einmal auf 9 Euro erhöht worden, und die Apotheken haben im Vergleich zu anderen Branchen natürlich wenig Möglichkeit, die Preise anzupassen“, gibt Lüder zu bedenken.

Laut Koalitionsvertrag soll wenigstens das Skontoverbot wieder aufgehoben werden, denn Skonti zwischen Apotheke und Großhandel sind durch ein BGH-Urteil im Jahr 2024 verboten worden. „Die versprochene Aufhebung durch die Gesetzgeber liegt aktuell noch auf Eis. Dabei ist das das Einzige, wo die Apotheker verhandeln können.“

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