Ein Viertel der GKV-Ausgaben könnte nach Ansicht der Unternehmensberatung Deloitte eingespart werden, wenn der Grundsatz „Digital vor ambulant vor stationär“ konsequent umgesetzt würde. Vor allem Künstliche Intelligenz (KI) könnte nach Ansicht der Berater hier Wunder wirken.
Eine nachhaltige Finanzierung der GKV sei möglich, so Deloitte. Dies erfordere jedoch erhebliche Anstrengungen über die bisherigen Maßnahmen hinaus. Die Berater schlagen 16 Maßnahmen vor, mit denen die Kassen bis 2035 ein Plus von 126 Milliarden Euro erwirtschaften könnten. Durchschnittliche Versicherte würden laut der Studie „Gesundheitsfinanzen am Scheideweg“ in diesem Szenario knapp 1600 Euro weniger pro Jahr bezahlen als 2026.
Unter „Prävention und Selbstbehalte“ sind unter anderem eine Zucker-, Tabak- und Alkoholsteuer sowie eine Beschränkung des Medienkonsums bei Kindern und Jugendlichen aufgeführt. Aber auch eine 10-prozentige Kostenbeteiligung für volljährige Versicherte auf alle nicht-präventiven Ausgaben ist hier vorgesehen.
Im Kapitel „Struktur und Vergütung“ geht es vor allem um die Verlagerung von Leistungen aus dem stationären in den ambulanten Sektor. Hier könnten je nach Beherztheit zwischen 10 und 20 Prozent der Kosten in den Kliniken gespart werden; nur maximal 40 Prozent würden in den Praxen an Mehrausgaben wieder auftauchen.
Durch eine erfolgsbasierte Vergütung könnten zwischen 1 und 3 Prozent im stationären und ambulanten Bereich sowie bei Arzneimitteln gespart werden.
Größter Punkt wäre die Schaffung der Rahmenbedingungen für eine „volle Durchdringung von KI im Gesundheitswesen“. Hier könnten jeweils 5 Prozent bei Leistungs- und Verwaltungsausgaben gespart werden. Und bei einer ambitionierten Umsetzung wären sogar 25 Prozent drin.
„Durch das jüngste Gesetz zur Beitragsstabilisierung wächst das Defizit zwar langsamer, doch diese Effekte laufen bis 2030 aus“, sagt Dr. Gregor-Konstantin Elbel, Partner bei Deloitte und verantwortlich für den Bereich Gesetzliche Krankenkassen und Gesundheitssystem. „Unser Gesundheitssystem muss vom Kopf auf die Füße gestellt werden, um eine moderne Medizin für alle gesetzlich Versicherten sicherzustellen. Die Reformen dafür müssen jetzt beschlossen werden, damit sie ab 2030 ihre Wirkung entfalten können.“
Eine nachhaltige Finanzierung der GKV gelinge weniger durch steigende Einnahmen als vielmehr durch eine Senkung der Ausgaben. Hier lassen sich laut Studie 71 Prozent der Einsparungen bis 2050 erzielen – mehr als die Hälfte davon durch Maßnahmen wie die Stärkung von Prävention, den Fokus auf Behandlungsergebnisse, die enge Verzahnung von medizinischen Einrichtungen und Krankenkassen sowie eine flächendeckende KI-Infrastruktur, um kostspielige Mehrfachbehandlungen zu vermeiden und Verwaltungsprozesse zu vereinfachen.
„Ein längeres gesundes Leben entlastet das Gesundheitssystem“, sagt Elbel. „Wer den Zugang zu medizinischen Innovationen erhalten und Leistungskürzungen vermeiden will, muss die Bedeutung von Prävention für die Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung ernst nehmen. Zusammen mit strukturellen Reformen und einer umfassenden KI-Nutzung kann der Neustart des Systems gelingen.“
Eine politisch weniger ambitionierte Umsetzung der 16 Reformen erzielt bei einer innovativen Entwicklung der Medizin keine langfristige Stabilisierung der GKV-Finanzen, wie die Studie zeigt. Das Defizit würde unter diesen Voraussetzungen im Jahr 2035 rund 61 Milliarden Euro betragen. Bis 2040 würden der demografische Wandel und innovative Behandlungsmethoden das Defizit auf 118 Milliarden Euro ansteigen lassen.
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