So etwas hat es noch nicht gegeben: Anstelle eines Tarifabschlusses präsentiert die Vertretung der Apothekeninhaberinnen und -inhaber in Nordrhein eine Tarifempfehlung. Constantin Biederbick, 1. Vorsitzender der Tarifgemeinschaft der Apothekenleiter (TGL), erklärt, was es damit auf sich hat. Die Übersicht über die von der TGL vorgeschlagenen Erhöhungen gibt es für angemeldete APOTHEKE ADHOC Plus-Leser:innen unten zum Download!
Seit Ende Juni habe man mit der Apothekengewerkschaft Adexa verhandelt, so Biederbick. Einen Abschluss habe man in all den Wochen trotz intensiver Bemühungen nicht hinbekommen; am Ende sei der TGL auch noch unterstellt worden, an einer Einigung gar nicht interessiert zu sein. „Das Gegenteil ist der Fall: Wir stellen uns der Verantwortung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Mit dieser Empfehlung wollen wir ein Zeichen setzen, dass die Angestellten in den Apotheken nicht vergessen werden.“
Zwei Drittel der Fixumsanhebung auf 9,50 Euro gebe man weiter, so Biederbick. Auch den Rest behielten die Inhaber:innen nicht für sich, sondern bräuchten ihn für die überall steigenden Kosten.
Eine Tarifempfehlung habe es in der Geschichte der TGL noch nicht gegeben, räumt Biederbick ein. Auch aus anderen Bereichen kenne er so etwas nicht. Sie ersetze auch keinen Tarifvertrag und begründe keine Pflicht zur Gehaltsanpassung: Allein die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber entschieden unter Beachtung bestehender tariflicher und arbeitsvertraglicher Ansprüche.
Dem Vorstand sei es aber trotz der Hängepartie ein Anliegen gewesen, die Mitarbeitenden spüren zu lassen, dass man sich kümmere. „Wir hätten weitere Zugeständnisse gemacht, aber die Forderungen der Adexa waren nicht zu erfüllen.“ In den Verhandlungen habe man die eigenen Angebote sogar mit Zahlen untermauert – ohne Erfolg.
Dass die Gehälter der PKA am stärksten steigen, hat laut Biederbick mit dem neuen Mindestlohn zu tun. „Es steht uns nicht zu Gesicht, wenn wir den Mindestlohn immer nur leicht überschreiten.“ Man habe im Vorstand lange diskutiert, wie man mit dem Thema umgehe. „Am Ende wollten wir ein Signal setzen, dass PKA für den Betrieb von Apotheken wertvoll sind: Im Einkauf liegt das, was wir noch optimieren können.“
Auch der Nachwuchs liege der TGL am Herzen. „Wir wollen zeigen, dass der Beruf nach wie vor attraktiv sein kann.“
In einem Schreiben an die Mitglieder war die TGL sogar noch deutlicher geworden: „Die Arbeitgebenden verfolgen die langfristige Sicherung der Arbeitsplätze als oberstes Ziel und keine Gehaltsmaximierung, die dieses Ziel gefährdet.“
Die Adexa habe für PKA 250 Euro, für die anderen Berufsgruppen je 200 Euro gefordert, und das rückwirkend zum 1. Juli und mit einer kurzen Laufzeit von zwölf Monaten. Hinzugekommen sei ein weiterer Urlaubstag, der die verfügbare Arbeitszeit reduzieren und weitere Kosten verursachen würde.
Betriebswirtschaftliche Notwendigkeiten müsse man immer im Blick haben. „Unser Ziel ist eine Lösung, die die Arbeit unserer Beschäftigten angemessen honoriert und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit unserer Apotheken berücksichtigt. Aus diesen Gründen ist die TGL selbstverständlich weiterhin verhandlungsbereit.“