Drohung statt Verhandlung

TGL: Adexa ohne Gegenvorschlag

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Berlin -

Die Adexa hat den Gehaltstarifvertrag in Nordrhein gekündigt. Eine Einigung konnte bislang nicht erzielt werden. Für die Gewerkschaft sind die Angebote der Tarifgemeinschaft der Apothekenleiter Nordrhein (TGL-Nordrhein) „nicht beziehungsweise nicht in vollem Umfang akzeptabel“. Für die TGL sind die öffentlichen Einlassungen ein No-Go. „Bis zuletzt war es unser ausdrückliches Ziel, die Tarifverhandlungen ohne öffentliche Auseinandersetzung am Verhandlungstisch fortzuführen.“

Die TGL nimmt das Statement der Adexa mit Verwunderung zur Kenntnis. Man habe der Apothekengewerkschaft wenige Tage vor ihrer Veröffentlichung eine kurzfristige weitere Verhandlungsrunde angeboten – ausdrücklich auch als Videokonferenz mit dem Ziel, schnellstmöglich eine Einigung zu erzielen, da der Gehaltstarifvertrag zum 30. Juni ausgelaufen ist. Das Gesprächsangebot bestehe weiterhin.

Zudem macht die TGL deutlich, dass während der gesamten Verhandlungen die Bereitschaft bestand, einen Tarifabschluss mit Wirkung zum 1. Juli zu vereinbaren. „Wir haben mehrfach erklärt, dass wir – sollte sich der Abschluss aufgrund weiterer Verhandlungen verzögern – bereit sind, eine Einigung rückwirkend zum 1. Juli in Kraft treten zu lassen“, so die TGL. „Ob wir an dieser freiwilligen Bereitschaft angesichts des aktuellen Vorgehens der Adexa weiterhin festhalten können, wird der weitere Verlauf der Verhandlungen zeigen müssen.“

„Wir sind überzeugt, dass tragfähige Tarifabschlüsse am Verhandlungstisch entstehen – nicht über Pressemitteilungen“, so die TGL-Vorsitzenden Sebastian Berges und Constantin Biederbick.

Drohung, aber kein Gegenvorschlag

Die TGL ärgert sich, dass die Adexa an die Öffentlichkeit gegangen ist. Zudem sei der zeitliche Ablauf irritierend: Die Gewerkschaft habe rund zehn Tage benötigt, um auf das Angebot der TGL zu reagieren. Die Apothekenleiter wurden wiederum nach sechs Tagen aufgefordert, kurzfristig ein weiteres verbessertes Angebot vorzulegen. „Gleichzeitig wurde angekündigt, andernfalls die Fachmedien über ein angeblich unzureichendes Angebot zu informieren“, so die TGL-Vorsitzenden. „Bis heute wurde uns jedoch weder mitgeteilt, an welcher konkreten Stelle unser Angebot unzureichend sein soll, noch welche konkrete Vergütung die Adexa stattdessen fordert. Eine bezifferte, nachvollziehbare und wirtschaftlich tragfähige Gegenforderung liegt bis heute nicht vor.“

Tarifverhandlungen lebten vom Austausch konkreter Positionen. „Wer ein Angebot ablehnt, sollte nicht nur erklären, dass es nicht ausreicht, sondern auch aufzeigen, welche konkrete Lösung angestrebt wird und wie diese unter den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der öffentlichen Apotheken dauerhaft finanziert werden kann.“

Dass die TGL kein angemessenes Angebot vorgelegt habe, weisen Berges und Biederbick entschieden zurück. Im Verlauf der bisherigen Verhandlungen sei die TGL der Adexa mehrfach deutlich entgegengekommen und habe ihr ursprüngliches Angebot wesentlich verbessert. „Unser Angebot bewegt sich keineswegs am unteren Rand der bundesweiten Tarifentwicklung, sondern geht in wesentlichen Bereichen sogar über das hinaus, was zuletzt in anderen Tarifabschlüssen vereinbart wurde.“

Fokus auf den Nachwuchs

Der TGL sei bei den Tarifverhandlungen der Berufsnachwuchs besonders wichtig. Gerade bei den Ausbildungsvergütungen und den Vergütungen der Berufsanfänger sei die TGL der Adexa weit entgegengekommen und habe die ursprünglichen Forderungen in einzelnen Bereichen sogar übertroffen. „Dies geschieht aus voller Überzeugung. Wir sehen es als gemeinsame Verantwortung aller Tarifparteien an, die Apothekenberufe für junge Menschen attraktiver zu gestalten und ausreichend qualifizierten Nachwuchs für die öffentliche Apotheke zu gewinnen.“

Den Apothekenleitern fehlt es seitens der Adexa aber an einer nachvollziehbaren Antwort auf die Frage, wie die erheblichen zusätzlichen Personalkosten dauerhaft finanziert werden sollen. „Öffentliche Apotheken verfügen – anders als nahezu alle anderen Wirtschaftszweige – nicht über die Möglichkeit, steigende Personalkosten über eigene Preisentscheidungen auszugleichen. Ihre wirtschaftlichen Spielräume werden im Wesentlichen gesetzlich bestimmt.“

Zudem gehe die öffentliche Diskussion häufig an der tatsächlichen Vergütungswirklichkeit vorbei. Tarifverträge schafften einen verbindlichen Rahmen. Die tatsächliche Bezahlung in den Apotheken liege jedoch vielfach darüber. Zahlreiche Betriebe würden freiwillige übertarifliche Zulagen zahlen, zusätzliche Urlaubstage, Sonderzahlungen, flexible Arbeitszeitmodelle oder weitere Benefits gewähren, um qualifizierte Mitarbeitende zu gewinnen und langfristig zu binden. „Diese Realität wird in der öffentlichen Darstellung regelmäßig ausgeblendet.“

Es dürfe außerdem nicht vergessen werden, dass die TGL in der vergangenen Tarifrunde einer deutlichen Tarifsteigerung zugestimmt habe, obwohl den Apotheken zu diesem Zeitpunkt weder zusätzliche Honorare noch wirtschaftliche Entlastungen zur Verfügung standen. „Diese Verantwortung haben die Arbeitgeber damals bewusst übernommen. Vor diesem Hintergrund halten wir es für angemessen und fair, in der aktuellen Tarifrunde einen ausgewogenen Abschluss anzustreben, der sowohl den berechtigten Interessen der Beschäftigten als auch der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Apotheken Rechnung trägt.“

TGL bleibt gesprächsbereit

„Die TGL bleibt jederzeit gesprächsbereit.“ Am Ziel – ein fairer und dauerhaft finanzierbarer Tarifabschluss – habe sich nichts geändert. „Dazu gehören gute Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten ebenso wie wirtschaftlich stabile Apotheken. Beides gegeneinander auszuspielen, hilft weder den Mitarbeitenden noch den Betrieben und am Ende auch nicht der wohnortnahen Arzneimittelversorgung.“

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