Der BVpta sieht mit Blick auf die Tarifverhandlungen in Nordrhein Handlungsbedarf, insbesondere beim Mindestlohn und der Annäherung an das PKA-Gehalt. „Wir haben den Kampf der Apothekerschaft um bessere wirtschaftliche Bedingungen unterstützt. Jetzt erwarten wir kein großes Lohnversprechen, sondern ein ebenso klares Signal an die Beschäftigten“, sagt die BVpta-Bundesvorsitzende Anja Zierath.
Bisher gibt es bei den Tarifverhandlungen zwischen der Tarifgemeinschaft der Apothekenleiter Nordrhein (TGL) und der Adexa keine Einigung. Der Gehaltstarifvertrag ist Ende Juni ausgelaufen. Die Arbeitgeber empfehlen ab Oktober eine monatliche Erhöhung um 120 Euro für Approbierte und PTA sowie 200 Euro für PKA. Die Adexa lehnte dieses Angebot ab. „Als BVpta verfolgen wir diese Entwicklung mit großer Sorge. Denn hinter der Diskussion über 120 oder 200 Euro steht eine grundsätzliche Frage: Was ist uns qualifizierte pharmazeutische Arbeit wert?“
PTA dürften tariflich nicht immer näher an den Mindestlohn heranrücken, betont Zierath. Eine PTA im ersten und zweiten Berufsjahr erhalte in Nordrhein derzeit 2590 Euro brutto bei einer 40-Stunden-Woche. Das entspreche knapp 15 Euro pro Stunde. Zum 1. Januar 2027 steigt der gesetzliche Mindestlohn auf 14,60 Euro. „Ohne eine entsprechende tarifliche Entwicklung läge eine ausgebildete PTA damit nur noch rund 37 Cent pro Stunde über dem Mindestlohn.“
Diese Entwicklung sollte der gesamten Apothekerschaft zu denken geben, sagt sie. „Dabei wollen wir ausdrücklich keine Berufsgruppen gegeneinander ausspielen. PKA sind ein unverzichtbarer Teil der Apothekenteams und verdienen eine angemessene Vergütung. Ich selbst bin ausgebildete PKA und PTA und kenne den Wert beider Berufe sehr genau. Ein gutes Gehaltsgefüge muss jedoch unterschiedliche Qualifikationen, Tätigkeitsprofile und Verantwortungen auch erkennbar abbilden.“
Hier entwickele sich ein Problem: „Noch 2025 betrug der tarifliche Abstand zwischen PTA und PKA in der ersten Gehaltsstufe in Nordrhein 238 Euro, seit Januar 2026 sind es 185 Euro. Nach dem aktuellen Vorschlag der TGL wären es nur noch rund 100 Euro.“
Die Frage sei deshalb nicht, ob PKA zu viel verdienten. „Die Frage ist, ob PTA ihrer Qualifikation und Verantwortung entsprechend bezahlt werden.“ Auch der Blick über Nordrhein hinaus zeige Handlungsbedarf: Im übrigen ADA-Tarifgebiet liege das Einstiegsgehalt für PTA bei 2646 Euro – bei einer tariflichen Wochenarbeitszeit von 39 statt 40 Stunden. Nordrhein liege damit sowohl beim Gehalt als auch bei der Arbeitszeit zurück.
Der BVpta wünscht sich einen „deutlichen öffentlichen Schulterschluss der Apothekerschaft mit ihren Beschäftigten“. Klar sei, dass eine Honorarverbesserung nicht eins zu eins in Personalkosten fließen könne und viele Betriebe weiterhin wirtschaftlich unter Druck stünden. „Aber ebenso wenig kann die wirtschaftliche Lücke dauerhaft auf dem Rücken der Beschäftigten geschlossen werden.“ Die Apothekenteams hätten schwierige Jahre mitgetragen. Mit Blick auf die geplante Weiterqualifizierung etwa gelte, dass mehr Qualifikation und mehr Verantwortung sich auch beruflich und finanziell bemerkbar machen müssten. „Niemandem kann man ernsthaft vermitteln, Zeit und möglicherweise eigenes Geld in eine anspruchsvolle Weiterqualifizierung zu investieren, wenn diese am Ende kaum Auswirkungen auf die Vergütung hat.“
Zierath appelliert auch an PTA: „Wir müssen den Wert unserer Arbeit selbstbewusster vertreten. Gute berufliche Perspektiven entstehen nicht von allein. Wenn wir möchten, dass sich etwas verändert, müssen wir als Berufsgruppe sichtbar und hörbar dafür eintreten.“ Die Apotheke vor Ort braucht wirtschaftlich gesunde Betriebe und angemessen bezahlte Fachkräfte. Das wären keine gegensätzlichen Interessen.