Zuzahlungsfrei ist gar kein Ziel

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Berlin - Immer weniger Arzneimittel sind von der Zuzahlung befreit, weil die Festbeträge immer weiter abgesenkt werden. Ob die Preisspirale überdreht ist, diskutierten Vertreter der Krankenkassen, Hersteller, Apotheker und der Politik beim Frühjahrsfest des Branchenverbands Pro Generika. Eine Entlastung dürfen die Patienten demnach kaum erwarten.

GKV-Vize Johann-Magnus von Stackelberg sieht in den Festbeträgen ein erfolgreiches Instrument. Die Kassen würden hier auch künftig Rationalisierungsreserven für die Versicherten erschließen. Dabei werde man die Zuzahlungen der Versicherten aber „im Auge behalten“, so Stackelberg. So seien die Festbeträge zuletzt bei zehn Wirkstoffen nicht so stark gesenkt worden wie sonst. Eines sei aber klar: „Es gibt keinen Anspruch auf Zuzahlungsbefreiung“, so von Stackelberg.

Fritz Becker, Chef des Deutschen Apothekerverbands (DAV), berichtete, dass es in der Praxis immer wieder zu Diskussionen mit den Patienten komme. Ein Problem dabei sei die Arztsoftware, die selten aktuell sei und oft bis zu einem halben Jahr hinterher hänge. Dadurch stimmten die Angaben des Arztes zur Zuzahlungsbefreiung oft nicht. Ärger gebe es regelmäßig auch, wenn Patienten zuzahlen müssten, weil der Rabattpartner der Kasse nicht lieferfähig sei.

Der CDU-Gesundheitsexperte Michael Hennrich hielt dagegen: „Ich möchte hier einmal eine Lanze für die Zuzahlung brechen.“ Das Ziel sei eine Dynamik in der Preisentwicklung gewesen, und nicht, dass alle Arzneimittel zuzahlungsfrei seien. Das Instrument sei von der Politik bewusst gewählt worden, um dem Patienten Eigenverantwortung zu übertragen. „Und es war einer der größten Fehler der vergangenen Legislaturperiode, die Praxisgebühr abzuschaffen“, ist Hennrich überzeugt. Zuzahlungen sieht er nicht als großes Problem, Irritationen gebe es eher, wenn die Patienten zusätzlich Aufzahlungen leisten müssten.

Der Vorsitzende von Pro Generika, Wolfgang Späth, erinnerte die Kassen an den politischen Willen, dass mindestens 20 Prozent der Arzneimittel von der Zuzahlung befreit sein sollen. „Da liegen wir nicht drin.“ Der Hexal-Vorstand Strategie, Portfolio und Marktentwicklung kann sich deshalb vorstellen, dass der Gesetzgeber diese „Soll-“ in eine „Muss-Vorschrift“ überführt. Laut Pro Generika sind heute noch rund 3600 Arzneimittel von der Zuzahlung befreit, vor Jahren waren es einmal 13.000.

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