Ärzte: Apotheker nicht qualifiziert genug für Impfungen

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Auch wenn die absolute Mehrheit der Ärzte gegen Grippeschutzimpfungen in Apotheken ist, hat das nur eine kleine Minderheit in ihrem eigenen Umfeld bisher wahrgenommen. Nur 17 Prozent der befragten Ärzte gaben an, dass Ihnen schon eine oder mehrere Apotheken in der Umgebung bekannt seien, die den Kunden ein Impfangebot machten. Das ist auch kein Wunder, schließlich beschränkten sich die Modellprojekte bisher nur auf einige Modellregionen in der Oberpfalz, im Saarland, in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. In letzterem wird das Angebot in der neuen Grippesaison jedoch noch weiter ausgebaut, nahezu in ganz Nordrhein-Westfalen können sich Versicherte dann in der Apotheke impfen lassen. Auch Rheinland-Pfalz kommt in dieser Grippesaison als Modellregion hinzu.

Die Befürchtungen bleiben, dass der Streit um impfende Apotheken neue Forderungen seitens der Ärzteschaft provozieren könnten – und die aktuelle Umfrage legt nahe, dass die berechtigt sind: Denn Verbände greifen bereits die Forderung nach einem erweiterten Dispensierrecht für Ärzte auf. Dies würde bedeuten, dass Ärzte beispielsweise Patienten im ambulanten Bereitschaftsdienst direkt eine erste Notfall-Medikation mitgeben könnten. Eine absolute Mehrheit von zwei Dritteln der niedergelassenen Ärzte wäre der Befragung zufolge für eine solche Regelung. 20 Prozent halten ein erweitertes Dispensierrecht nicht für nötig, 14 Prozent haben zu dem Thema noch keine Meinung.

Die Modellprojekte zu Grippeschutzimpfungen sorgen in den vergangenen Monaten regelmäßig für Streitigkeiten. Im Juli beispielsweise hatte der Hausärzteverband Rheinland-Pfalz weiter eskaliert und gefordert, impfende Apotheken zu boykottieren. Dass Apotheken bereits nach einer kurzen Schulung impfen dürfen, sei „ein Schlag in das Gesicht eines jeden Einzelnen von uns, die wir uns durch sechs Jahre Studium und fünf Jahre Facharztweiterbildung gekämpft haben, bevor es uns erlaubt war, eigenverantwortlich auch nur eine einzige Impfung gegen Grippe zu applizieren“, erklärte Verbandschefin Dr. Barbara Römer. Zuvor hatten sich bereits Landesärztekammer und Kassenärztliche Vereinigung (KV) gegen Grippeimpfungen in Apotheken ausgesprochen, letztere sogar in Form einer Resolution.

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