Abzocke mit Ansage

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Berlin - Erst die Masken-Politiker, jetzt die Test-Betrüger. Leider ist die Corona-Krise auch die Stunde der Abzocker. Den sogenannten unbescholtenen Bürger lässt der neuerliche Skandal fassungslos zurück: Wie ist es möglich, dass der sonst bis ins Kleinste kontrollierte und kontrollierende Sozialstaat dermaßen aus dem Ruder läuft? Wieder ist es Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der diesen gigantischen Betrug mit seiner schludrigen Politik ermöglicht hat – und der nun aufgrund des öffentlich Drucks hart durchgreifen will. Den Schaden haben wieder einmal diejenigen, die ihren Job ernst nehmen, kommentiert Patrick Hollstein.

Im Zusammenhang mit den sogenannten Masken-Raffkes bemüht Spahn gerne das Bild der Wild-West-Zustände: Im vergangenen Frühjahr hätten die Kliniken um Hilfe gerufen, weil ihnen die Schutzausrüstung auszugehen drohte. Da sei so ziemlich jedes Angebot gelegen gekommen. Noch einmal aber würde so etwas nicht passieren, versicherte Spahn noch vor wenigen Wochen, als die erste Laientests auf den Markt kamen: Diesmal habe man den Markt und die Preise im Blick.

Nicht die Laientests wurden zum Problem, sondern die Testzentren, die überall wie Pilze aus dem Boden schossen. 18 Euro pro Test – der Anreiz war gesetzt. Einsteigen konnte jedermann, vom Lockdown-geplagten Restaurantbesitzer bis hin zum findigen Unternehmer, der eine gute Gelegenheit erkennt, wenn sie da ist. Wenn man heute durch Innenstädte läuft, hat man den Eindruck, Schnelltests seien in Wirklichkeit als Konjunkturprogramm gedacht. Spahn wollte das Angebot schnell in die Breite tragen, da reichten Arztpraxen und Apotheken und vielleicht noch Drogerieketten offensichtlich nicht aus.

Ob die Qualität stimmt, weiß niemand – von einem Anbieter ist mittlerweile bekannt, dass keine positiven Tests übermittelt wurden. Noch entscheidender aber ist der Umstand, dass die Tests ohne jeden Nachweis oder eine Obergrenze abgerechnet werden können. Während Apotheken im regulären Versorgungsalltag wegen eines Kommas retaxiert werden, verzichteten Spahn und sein Ministerium bei den – oft nicht durch Heilberufler betriebenen – Testzentren auf ein Minimum an Kontrolle. So machen nun Schlagzeilen die Runde, dass Clanchefs ganze Großfamilien durch ihre Testzentren schleusen oder windige Betreiber massenhaft Tests abrechnen, die sie nie durchgeführt haben.

Ein Beispiel, dass man mit Testzentren Geld verdienen, ohne hinter dem Konzept zu stehen, lieferte jüngst Arzt und Dipat-Gründer Dr. Paul Brandenburg: Zuletzt war er für seine Nähe zu Querdenkern ins Zwielicht geraten, hatte sich selbst als Gegner der Coronamaßnahmen – explizit auch der Tests – positioniert. Drei Testzentren betreibt er trotzdem, erwägt gar ein viertes und fünftes – und macht keinen Hehl daraus, warum: „Die Menschen wollen es, der Staat bezahlt es, so absurd ich es finde, dann verkaufe ich es auch“, erklärte er gegenüber der Berliner Zeitung. Er habe schließlich durch die Pandemie anderswo Umsätze verloren: Tests als schnelle Einkommensquelle, nicht als Beitrag zur Pandemiebekämpfung, das ist die Botschaft. Nicht von ungefähr titelte auch die Bild-Zeitung am Wochenende: „Darum machen Schnelltests schnell reich.“

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