Angst verzögert Diagnose und Therapie

Wegen Corona: Onkologen fürchten „Tumor-Welle“ im Herbst Cynthia Möthrath, 14.05.2020 12:05 Uhr

Berlin - Viele Fachgesellschaften befürchten, dass durch die Corona-Pandemie die Diagnose und Therapie anderer schwerwiegender Erkrankungen in den Hintergrund rücken könnte. Nun hat auch die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) davor gewarnt, dass die Angst vor Covid-19 nicht dazu führen dürfe, dass die Früherkennung oder die Durchführung wirksamer Krebstherapien verzögert werde – der Schaden könnte immens sein.

Sars-CoV-2 stellt vor allem für Risikogruppen eine Gefahr dar. Daher habe die Angst vor einer Ansteckung auch viele Krebspatienten zutiefst beunruhigt, erklärt die DGHO. „Dabei stellt für die allermeisten PatientInnen die Krebskrankheit eine weitaus größere Gefahr für ihr Leben dar als Covid-19.“ Zwar lägen derzeit noch keine vollständigen Auswertungen zur Anzahl von Krebspatienen in Kliniken und Praxen vor, allerdings sei die Tendenz zu beobachten, dass die Zahl der in frühen Stadien diagnostizierten Tumore wie Darm- oder Brustkrebs zurückgehe.

Neudiagnose-Welle könnte im Herbst kommen

Häufig würden die Erstdiagnosen im Rahmen der Früherkennung gestellt. Durch das Ausfallen dieser Screenings würden daher viele Erkrankungen zunächst unentdeckt bleiben. Im Sommer und Herbst sei dann jedoch mit einer Welle von Neudiagnosen zu rechnen. Die Zahl der in Tumorkonferenzen vorgestellten Patienten sei im April ebenfalls deutlich gesunken – in einzelnen Institutionen um 30 bis 50 Prozent. Im Bereich der akut lebensbedrohlichen Krebserkrankungen, zu denen beispielsweise Leukämien zählen, hätten sich die Zahlen jedoch kaum geändert, viele von ihnen seien erst im späten Stadium diagnostiziert worden.

„Wir sehen Leukämie- oder Myelompatientinnen und -patienten mit Komplikationen, die wir in den letzten Jahren eher nicht gesehen haben“, erklärt Professor Dr. Hermann Einsele, Vorsitzender der DGHO und Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Universitätsklinikums Würzburg. Viele Patienten mit fortgeschrittenen soliden Tumoren seien in den letzten beiden Monaten nicht zur Frühdiagnostik oder zu Verlaufskontrollen vorstellig geworden. „Dabei zeigen die bisher verfügbaren Daten bei onkologischen Patientinnen und Patienten kein erhöhtes Ansteckungsrisiko. Das liegt möglicherweise an der bereits vorhandenen Achtsamkeit dieser Patientinnen und Patienten, die sie aber auch von Arztbesuchen abhält."

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