Viermal so viele Pneumokokken-Impfungen

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Berlin -

Als vor einem Jahr die Ständige Impfkommission (Stiko) ältere Menschen zur Impfung gegen Pneumokokken aufrief, gab es großes Interesse – aber keinen Impfstoff. Mit Importen wird seitdem versucht, die Engpässe zu überbrücken. Laut einer Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK) ist die Nachfrage nämlich groß.

Im vergangenen März kam es dann zu einem massiven Engpass bei den Impfstoffen gegen Pneumokokken. Grund waren geänderte Empfehlungen der Stiko: Um Komplikationen zu vermeiden, sollten Menschen über 60 Jahre und Personen mit Vorerkrankungen aufgrund der Corona-Pandemie auch gegen Pneumokokken geimpft werden. Was die Experten und auch das Bundesgesundheitsministerium (BMG) mit ihrer Empfehlung allerdings nicht berücksichtigt hatten, war die Situation auf dem Markt: Mitten in der Phase der Hamsterkäufe explodierte die Nachfrage nach den Impfstoffen, sodass bei den Herstellern in kürzester Zeit die Lagerbestände abverkauft waren. Apotheken konnten Bestellungen nicht beliefern, Praxen mussten Patient:innen vertrösten.

Dennoch konnten sich im ersten Halbjahr 2020 laut TK fast viermal mehr Menschen ab 60 Jahren gegen Pneumokokken impfen lassen als im gleichen Zeitraum ein Jahr zuvor: Die Impfquote stieg von 1,7 auf 6,6 Prozent – von Anfang Januar bis Ende Juni hat sich also etwa jeder 15. Versicherte ab 60 Jahren gegen Pneumokokken impfen lassen. Besonders groß war die Nachfrage in Berlin und Brandenburg (13,2 und 9,4 Prozent) sowie generell in der Altersgruppe 70 bis 79 Jahre (7,5 Prozent).

„Die Nachfrage nach der Impfung war nach dem Aufruf so groß, dass es relativ schnell Lieferprobleme gab – sonst hätten sich vermutlich noch mehr Versicherte in diesem Zeitraum impfen lassen“, sagt Tim Steimle, Apotheker und Leiter des Fachbereichs Arzneimittel bei der TK. „Wer sich noch gegen Pneumokokken impfen lassen möchte, sollte seine Hausärztin oder seinen Hausarzt ansprechen.“

Die Stiko empfiehlt die Pneumokokken-Impfung generell für Menschen ab 60 Jahren sowie für Patientinnen und Patienten mit bestimmten chronischen Krankheiten. Ob und wann eine Auffrischung nach mehreren Jahren nötig ist, sollte mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin besprochen werden. Für Säuglinge empfiehlt die Stiko eine Grundimmunisierung mit drei Impfungen im Alter von zwei, vier und elf Monaten.

Auf dem deutschen Markt stehen Prevenar 13 (Pfizer) und Pneumovax 23 (MSD) zur Verfügung. Immer wieder mussten in den vergangenen Monaten die Engpässe mit Importen überbrückt werden, jüngster Neuzugang war im März Pneumovax in chinesischer Aufmachung.

 

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