Berlin -

An Depressionen kann man jederzeit erkranken – bei älteren Menschen bleibt das Leiden jedoch häufig unerkannt. Eine Diagnosestellung kann durch Komorbidität erschwert werden. In der Bevölkerung wird Depression außerdem häufig als Begleiterkrankung des Alterns angesehen. Aufgrund des demografischen Wandels wird sich das Problem laut Experten verstärken. Das aktuelle Deutschland-Barometer zeigt, dass das Problem völlig falsch eingeschätzt wird.

Die Altersdepression unterscheidet sich nicht von einer Erkrankung in anderen Altersstufen. Es sind nicht mehr alte Menschen depressiv als jüngere – jedoch ist die Suizidrate bei den über 80-Jährigen deutlich erhöht. Die Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zeigt, dass es je 100.000 Einwohner bei den 45- bis 70-Jährigen zu durchschnittlich 20 Suizidfällen kommt, bei Menschen über 80 steigt die Rate auf 50 bis hin zu 90 Fällen bei den über 90-Jährigen an. Diese Zahlen gelten für Männer – bei den Frauen bleibt die Suizidrate unabhängig vom Alter relativ konstant bei 5 bis 10 Fällen je 100.000 Einwohner.

Ungefähr 6 Prozent der 70- bis 79-Jährigen erkranken laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts (RKI) im Laufe eines Jahres an einer Depression. Leitsymptome einer Depression sind Interessensverlust, depressive Verstimmungen und gestörter Antrieb. Zu auftretenden Nebensymptomen gehören häufig Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Schuldgefühle, pessimistische Zukunftsperspektiven und Suizidgedanken.

Die Anzahl diagnostizierter Depressionen steigt. „Das ist eine positive Entwicklung“, betont Professor Dr. Ulrich Hegel, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, „durch die erhöhten Diagnosezahlen sinkt gleichzeitig die Zahl an Suiziden.“ Kam es 1980 noch zu 18.000 Suiziden in Deutschland, so sank die Zahl 2017 auf 9000 Fälle. Durch frühzeitige Diagnosen durch den Hausarzt könnte diese Zahl weiter sinken. Hegel gibt zu bedenken, dass eine Diagnose bei älteren Patienten noch wichtiger ist, da sie tödlicher verläuft.

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