Kalkstickstoff

Metformin-Engpass wegen Düngemittel-Verbot?

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Berlin -

Nicht nur die Kommunale Abwasserrichtlinie (KARL), die eine vierte Reinigungsstufe für Klärwerke vorsieht, könnte Lieferengpässe bei Metformin verursachen. Die Gesundheitsminister der Länder sehen die europäische Produktionskette des Diabetesmedikamentes durch das Verbot von Kalkstickstoff in Gefahr und befürchten, dass die Abhängigkeit von China steigt. Die Bundesregierung ist nun gefragt.

Die EU-Kommission plant ein Anwendungsverbot von Kalkstickstoff. Die Substanz wird für die Herstellung eines wichtigen Ausgangsstoffes für die Metformin-Produktion benötigt. Konkret geht es um die Chemikalie Dicyandiamid (DCD), die aus Cyanamid – Calciumcyanamid oder auch Kalkstickstoff genannt – gewonnen wird.

Kalkstickstoff kommt als Düngemittel zum Einsatz und unterliegt seit 2019 einem Beschränkungsverfahren der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) im Rahmen der EU-REACH-Verordnung. Wird der Einsatz von Kalkstickstoff als Düngemittel verboten, ist die gesamte europäische Produktionskette von Metformin gefährdet, warnen die Gesundheitsminister. Denn derzeit wird Kalkstickstoff in Europa von nur einer Firma in zwei Betriebsstätten in Bayern hergestellt. Daraus wird in weiteren Prozessschritten DCD gewonnen. Über die europäischen Grenzen hinaus wird DCD nur in China hergestellt.

Abhängigkeit von China steigt

Ein Verbot von Kalkstickstoff in der EU würde dazu führen, dass die Herstellungskette von Kalkstickstoff zu DCD nicht mehr wirtschaftlich wäre; dies würde nicht nur den Produktionsstandort Deutschland schwächen, sondern auch die Abhängigkeit Europas von China in einem sensiblen Gesundheitsbereich weiter verschärfen“, so die Minister:innen.

Appell an Bundesregierung

Daher bitten die Gesundheitsminister:innen der Länder die Bundesregierung, die EU-Kommission auf das Problem hinzuweisen und darauf hinzuwirken, dass von einem Anwendungsverbot von Kalkstickstoff unter dem Aspekt der Sicherheit der Arzneimittelversorgung abgesehen wird und die Versorgung mit Metformin aus europäischer Produktion gewährleistet bleibt.

Metformin gehört zu den Mitteln der Wahl bei der Behandlung von Diabetes Typ 2, wenn Diät und Gewichtsreduktion trotz körperlicher Aktivität nicht ausreichen, um den Blutzuckerspiegel zu senken. Das Biguanid hemmt die Glukosebildung in der Leber und verzögert deren Aufnahme im Darm. Metformin verbessert die Insulinwirkung und die Insulinempfindlichkeit der Muskulatur, die Insulinausschüttung wird vermindert und das Hungergefühl der Patient:innen nimmt ab.

„Metformin ist ein essenzielles Medikament, das eine prominente Position in den Leitlinien zur Behandlung des Typ-2-Diabetes hat“, heißt es von der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). „Es kann nicht einfach durch andere Medikamentenklassen ersetzt werden.“ Fällt Metformin als Therapieoption weg, müssten Diabetiker:innen auf Alternativen wie Sulfonylharnstoffe, Gliflozine oder Insulin umgestellt werden. Für die Patient:innen bedeute das teilweise mehr Nebenwirkungen – und einen höheren Aufwand. Für die Kassen bedeutet das eine Kostenexplosion von 350 Millionen auf rund 1,8 Milliarden Euro.

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