Melatonin ist wichtig für den Schlaf-Wach-Rhythmus und kommt unter anderem als Nahrungsergänzungsmittel als Einschlafhilfe zum Einsatz. Doch die Einnahme ist nicht für jede:n empfohlen, denn Wechselwirkungen sind möglich – ein Beispiel sind Antiepileptika.
Melatonin wird auch als Schlafhormon bezeichnet und bei Dunkelheit von der Zirbeldrüse im Epithalamus ausgeschüttet. Das Hormon wird im Körper aus Serotonin produziert und steuert den Tag-Nacht-Rhythmus. Die Konzentration ist in der Mitte der Nacht am größten und nimmt bis in den Morgen und im Alter ab. Das Problem: Licht – vor allem Blue Light – kann die Melatoninfreisetzung verringern oder verzögern und somit den Tag-Nacht-Rhythmus durcheinanderbringen und Einschlafprobleme nach sich ziehen.
Antiepileptika kommen neben der Behandlung und Vorbeugung von epileptischen Anfällen unter anderem auch bei Angststörungen sowie zur Migräneprophylaxe zum Einsatz. Ihr Wirkmechanismus unterscheidet sich je nach Wirkstoffklasse, geht jedoch im Allgemeinen auf eine Hemmung der Erregungsweiterleitung im Zentralnervensystem, beispielsweise über die Interaktion mit Ionenkanälen oder Neurotransmittern, zurück.
„In manchen Studien, die sich mit dem Einfluss von Melatonin auf epileptische Anfälle bei Kindern beschäftigten, kam es unter Melatonin zu einer Verschlechterung eines bestehenden Anfallsleidens bzw. es wurde das Neuauftreten eines Anfalls beobachtet“, heißt es vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Doch die Studienergebnisse sind nicht einheitlich, denn in anderen Studien zeigte sich kein Einfluss oder sogar eine Besserung eines bestehenden Anfallsleidens.
Daher ist aus Sicht des BfR Vorsicht geboten bei Personen, die unter Epilepsie leiden. „Aufgrund der inkonsistenten Datenlage sollte Melatonin aus Sicht der Risikobewertung bei Personen mit Anfallsleiden/Epilepsie nur unter ärztlicher Kontrolle angewendet werden.“
Zudem kann Melatonin die Wirkung von Antiepileptika verringern und das Risiko für Krampfanfälle erhöhen, heißt es im MSD-Manual.
Einen entsprechenden Hinweis gibt es auch in der Fachinformation Melatonin-haltiger Arzneimittel. Dort heißt es: „Es wurde berichtet, dass Melatonin die Anfallshäufigkeit bei Patienten, die unter Anfällen leiden (z. B. Epilepsiepatienten), erhöhen und verringern kann. Daher sollte Melatonin Patienten mit Epilepsie und/oder mit multiplen neurologischen Erkrankungen und/oder Patienten, deren Begleitmedikation die Anfallshäufigkeit erhöhen könnte, nur mit Vorsicht verordnet werden.“
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