Kein sicherer Nutzen bei psychischen Erkrankungen

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Viele der kontrollierten Studien – vor allem im Bereich Depressionen und Angststörungen – wurden jedoch nicht durchgeführt, um den Effekt auf die psychiatrische Erkrankung auszuwerten, sondern eigentlich um im Bereich der Multiplen Sklerose oder chronischer Schmerzen zu forschen – Die Auswirkung auf die psychischen Leiden wurde dabei lediglich zufällig beobachtet. Die Effektstärke war zudem meist nur gering. Nach Berechnungen der Forscher hatte die Behandlung mit Cannabis die Symptome um ein Vier­tel der Standardabweichungen gelindert. Der Evidenzgrad für einen Nutzen bleibe der Analyse zufolge insgesamt gering. Möglich sei zudem, dass die Linderung der psychischen Erkrankungen nur die Folge der Besserung der Primärerkrankung war.

Die Studien zu den anderen psychischen Erkrankungen beschäftigten sich– im Vergleich zu denen bei Depressionen und Angststörungen – pri­mär mit der Behandlung von Cannabinoiden zur Behandlung der jeweiligen psychischen Störung. Die Ergebnisse waren jedoch kontrovers: Teilweise kam es sogar zu einer Verschlechterung der Symptomatik, beispielsweise bei Psychosen. Häufig werden diese auch als Nebenwirkung des Cannabiskonsums diskutiert, den Forschern zufolge dürfte der Einsatz bei diesem Beschwerdebild daher problematisch sein.

In den Studien wurde der Forschergruppe nach außerdem dargestellt, dass medizinisches Cannabis zu einem Anstieg von Nebenwirkungen führte und die Rate von Therapieabbrüchen aufgrund von Nebenwirkungen erhöht war. Der Einsatz bei psychiatrischen Beschwerdebildern sei demnach mit Vorsicht zu genießen. Jedoch stünde der geringen Evidenz ein großes öffentliches Interesse gegenüber. Um die Lücken zu schließen seien daher weitere randomisierte, kontrollierte Studien dringend notwendig.

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