Antidiabetika

Glitazone: Geschlechtsabhängiger Mechanismus entdeckt Deniz Cicek-Görkem, 12.07.2018 14:19 Uhr

Berlin - Frauen und Männer sind unterschiedlich anfällig für Krankheiten. Anscheinend üben geschlechtsspezifische Unterschiede auch Effekte auf die Wirkung von Arzneimitteln aus. Denn Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg haben kürzlich eine interessante Entdeckung gemacht: Sie berichten im Fachjournal „EMBO Molecular Medicine“ von einem Gen, das geschlechtsabhängig für die Wirkung der Glitazone entscheidend sein soll.

Glitazone gehören zur Gruppe der Thiazolidindione, da das chemische Grundgerüst ein Thiazol-2,4-dion ist. Sie erhöhen die Insulinempfindlichkeit, indem sie im Zellkern den Rezeptor PPAR-gamma (Peroxisome Proliferator-Activated Receptor gamma) aktivieren. Dadurch wird die Regulation verschiedener Stoffwechselwege beeinflusst, unter anderem auch die Empfindlichkeit der Körperzellen für Insulin. Zudem können sie Umwandlung von ungesundem weißen in fettverbrennendes beiges Fettgewebe fördern.

Nachteil: Sie werden mit kardiovaskulären Risiken und dem Auftreten von Blasenkrebs in Zusammenhang gebracht. Daher finden sie in Deutschland kaum Anwendung. Aus der Gruppe der Glitazone ist derzeit nur Pioglitazon als Monopräparat und als Kombipräparat mit Metformin zugelassen. In Anbetracht des Nebenwirkungsspektrums (Gewichtszunahme, Ödembildung und Herzinsuffizienz) ist es zum Beispiel bei Unverträglichkeit von Vergleichsmedikamenten zu empfehlen.

Pioglitazon kann nur noch in begründeten Ausnahmefällen zu Lasten der Krankenkassen verordnet werden, im Jahre 2010 hatte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) Glitazone von der Verordnung zu Lasten der GKV ausgeschlossen. Rosiglitazon wurde aufgrund des ungünstigen Nutzen-Risiko-Profils im November 2010 vom Markt genommen; derzeit ruht die Zulassung.

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