Gefährdet „social distancing“ die Parkinson-Versorgung?

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Ältere Patienten können digitale Angebote nicht nutzen

Viele Praxen würden mittlerweile digitale Angebote zur Verfügung stellen: So können zum Beispiel routinemäßige Präsenztermine per Videosprechstunde oder Telefon wahrgenommen werden. Weiterhin gäbe es zwar ebenfalls zahlreiche Apps und Internetangebote für Bewegungstherapien – viele Patienten seien allerdings nicht mit dem Internet und derartigen Angeboten vertraut und könnten diese daher nicht in Anspruch nehmen. „Gerade Betroffene mit fortgeschrittenem Krankheitsbild benötigen bei video- und internetbasierten Angeboten Unterstützung, die nicht immer gewährleistet ist.“ Selbst in Pflegeeinrichtungen sei die benötigte Unterstützung häufig aufgrund der erforderlichen Hygienemaßnahmen, welche das Personal oft über die Belastungsgrenze im Einsatz halten, nicht gegeben. Begleittherapien würden daher oft ersatzlos wegfallen: Dies führe zu einer schnelleren Progredienz der Erkrankung und einer Zunahme der Immobilisierung. Hinzu komme, dass die Vereinsamung durch das „social distancing“ Depressionen auslösen oder verstärken könne, was ohne regelmäßige Präsenztermine schwer zu diagnostizieren sei.

Familienangehörige oder Freunde könnten dennoch helfen: Tägliches Telefonieren beispielsweise könne die Vereinsamung verhindern. Außerdem trainiert der Patient dabei seine Stimme. Dies würde zwar keinen Logopäden ersetzen, sei aber dennoch wichtig. Ebenso wie das Trinkverhalten, welches von den Betreuungspersonen beeinflusst werden kann: „Viele Patienten trinken zu wenig, was dann zur Verwirrtheit und mitunter auch zu Harnwegsinfekten beitragen kann.“ Daher sollten Parkinson-Patienten regelmäßig an die Flüssigkeitsaufnahme erinnert werden. „Ebenso kann es hilfreich sein, die Patienten regelmäßig zu Bewegung und kreativen Tätigkeiten zu motivieren“, rät die DGN-Kommission.

Wichtig sei sicherzustellen, dass es perspektivisch nicht zu einer Unterversorgung komme – insbesondere bei älteren Patienten oder Patienten mit weit fortgeschrittener Erkrankung. Denn häufig hätten die Patienten keine Angehörigen, die entsprechend unterstützen können. Grundsätzlich haben Parkinson-Patienten kein erhöhtes Infektionsrisiko für Sars-CoV-2, dennoch haben die meisten Patienten ein hohes Alter und noch andere Grunderkrankungen. Daher müsse diese Patientengruppe besonders geschützt werden.

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