Gefährdet „social distancing“ die Parkinson-Versorgung?

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Berlin - Der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) zufolge ist die medizinische Akutversorgung von Parkinson-Patienten während der Sars-CoV-2 Pandemie gewährleistet. Die DGN-Kommission Bewegungsstörungen hat dennoch Bedenken: Aufgrund von „social distancing“ könnten Begleittherapien, die vor allem bei chronisch-progressiven Krankheitsbildern zum Einsatz kommen, nicht optimal durchgeführt werden. Dadurch bedingt könnte es zu einer Progression der Erkrankung kommen.

Morbus Parkinson kann bislang nur symptomatisch therapiert werden. Die Erkrankung ist gekennzeichnet durch den Untergang dopaminerger Neuronen. Die vier Hauptsymptome sind Rigor, Bradykinese, Akinese, Tremor sowie posturale Instabilität. Therapeutisch kommt derzeit in erster Linie Levodopa – die Dopamin-Vorstufe – zum Einsatz. Weiterhin können Dopaminrezepor-Agonisten wie Ropinirol und Pramipexol, Muscarinrezeptor-Antagonisten wie Biperiden, MAO-B-Hemmer (Selegilin, Rasagilin), COMT-Hemmer (Entacapon, Tolcapon), NMDA-Antagonisten (Amantadin) sowie Anticholinergika eingesetzt werden.

Komplexes Therapieregime ist gefährdet

Doch nicht nur die medikamentöse Therapie ist wichtig, auch verschiedene Begleittherapien wie Ergotherapie, Physiotherapie und Logopädie können die Einschränkungen des Patienten und die Lebensqualität verbessern und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen. Um die Patienten bestmöglich zu versorgen und die Progression zu verlangsamen, sei eine komplexe, aus mehreren Bausteinen bestehende Therapie notwendig, die im Normalfall zahlreiche Patienten-Behandler-Kontakte erforderlich mache, erklärt die DGN-Kommission Bewegungsstörungen in ihrer Stellungnahme.

Zwar sei die Akutversorgung – beispielsweise bei Infekten, akinetischen Krisen oder Psychosen – während der Krise gewährleistet, die Strategie des „social distancing“ zur Pandemieeindämmung führe jedoch zu nennenswerten Einschränkungen bei der Behandlung von Patienten mit Parkinson-Krankheit: Die üblichen Kontakte zwischen Patient und Behandler, sowie viele gewohnte therapeutische Maßnahmen seien unmöglich – ein längeres Aussetzen könne den Behandlungserfolg gefährden, Einschränkungen der motorischen Fähigkeiten oder sprachlichen Fertigkeiten zur Folge haben und die Progression der Erkrankung fördern.

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