Ernährungsverhalten

Studie: Zucker macht nicht dick

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Berlin -

Im Kampf gegen Übergewicht setzen Gesundheitspolitiker und Experten auf Zuckerverbote – Stichwort Softdrinks. Doch das könnte der falsche Weg sein: Eine britische Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Fettleibigkeit sich nicht auf den Verzehr von Süßem zurückführen lässt.

Forscher der University of Glasgow hatten Daten von 132.500 Personen aus dem Biobank-Register ausgewertet, die im Durchschnitt 56 Jahre alt waren und auch Angaben zu ihrem Ernährungsverhalten gemacht hatten. 66 Prozent der Männer und 52 Prozent der Frauen waren übergewichtig oder fettleibig.

Im Vergleich zu Personen mit normalem Body-Mass-Index (BMI) hatten die adipösen Menschen eine 11,5 Prozent höhere Zufuhr an Gesamtkalorien. Erhöht waren auch die Zufuhr an Fett (14,6 Prozent), Proteinen (13,8), Stärke (9,5) und Zucker (4,7). Entsprechend war der Anteil an Energie, der aus Fett gewonnen wurde, höher als bei Normalgewichtigen (34,3 vs. 33,4 Prozent). Der Anteil der Energie aus Zucker war dagegen niedriger (22 vs. 23,4 Prozent).

Der BMI war damit stark abhängig von der Gesamtenergie (Koeffizient 2,47) und der aus Fett gewonnenen Energie (1,96). Weniger Auswirkungen hatte die Zufuhr über Zucker (0,48), die bei Anpassung an die Gesamtzufuhr sogar negativ waren.

Gesundheitskampagnen auf die Zuckerzufuhr auszurichten, könnte der falsche Weg sein, schreiben die Forscher im „International Journal of Epidemiology“. Denn sie könnten den Blick auf die Notwendigkeit verstellen, die Fett- und Gesamtenergiezufuhr zu reduzieren.

Experten warnen insbesondere vor Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen. Mindestens 41 Millionen Mädchen und Jungen unter fünf Jahren sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) übergewichtig oder fettleibig. Weltweit komme der Kampf dagegen nur langsam voran.

Forscher warnen vor einer „Adipositas-Epidemie“: Die Zahl der übergewichtigen Kinder sei in den vergangenen 30 Jahren drastisch angestiegen – auch in Ländern, in denen Kinder nach wie vor von Unterernährung gebeutelt seien, stellte ein internationales Team von Wissenschaftlern in einer Serie von Studien fest, die im vergangenen Jahr im Fachjournal „The Lancet“ veröffentlicht wurden.

Kinder in den USA wiegen im Schnitt fünf Kilogramm mehr als ihre Altersgenossen vor 30 Jahren. Im Vergleich zu den 1970er Jahren nehmen US-Kinder täglich durchschnittlich 200 Kilokalorien mehr zu sich. Davon profitiere vor allem die Nahrungsmittelindustrie.

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