Contergan: Forscher entschlüsseln weiteren Mechanismus

, Uhr
Berlin -

In den vergangenen Jahren legten mehrere Arbeitsgruppen den Fokus ihrer Forschung auf die teratogene Wirkung von Contergan (Thalidomid), die lange Zeit unbekannt geblieben waren. Zuletzt entdeckten Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) molekulare Mechanismen. Neue Daten zu diesem Thema liefert nun ein Team um Dr. Eric Fischer vom Department of Cancer Biology des Dana-Farber Krebsinstituts in Boston.

Thalidomid und seine Nachfolgesubstanzen werden unter der Bezeichnung Immunomodulatory Drugs, kurz IMiDs, zusammengefasst. Der Name leitet sich von ihrer Fähigkeit ab, die Immunantwort des Körpers zu verändern. Aus früheren Forschungsarbeiten war bereits bekannt, dass ein körpereigenes Protein namens Cereblon für die Funktion von IMiDs eine wichtige Rolle spielt.

Die TUM-Wissenschaftler konnten zuvor zeigen, dass Cereblon in Zellen an die Proteine CD147 und MCT1 bindet. Diese beiden Enzyme treten insbesondere in Zellen des blutbildenden Systems und in Immunzellen auf und spielen unter anderem eine Rolle bei der Gefäßneubildung und dem Stoffwechsel der Zelle. Die US-Forscher zeigen nun, dass Thalidomid und andere IMiDs auf molekularer Zellebene den Abbau mehrerer Transkriptionsfaktoren fördern. Darunter fällt SALL4 (Sal-like protein 4), ein sogenanntes C2H2-Zinkfingerprotein.

Den Arbeiten zufolge induzieren heterozygote Mutationen in SALL4 Geburtsfehler wie das Fehlen von Daumen, Phokomelie, Defekte in der Entwicklung des Ohrs und des Auges und angeborene Herzerkrankungen. Dieser Mechanismus konnte ausschließlich bei Menschen, Primaten und Kaninchen nachgewiesen werden, nicht aber bei Fischen. Den Forschern zufolge ist das ein Hinweis für eine Spezies-spezifische Pathogenese.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema
Weiteres
NNF schüttet an Apotheken aus
75 Millionen für TI-Aufwendungen»
Arztpraxen, Kliniken und Pflegeheime
Noch keine Kündigungen wegen Impfpflicht»
„Es ist schwierig, das Abwerben hinterher zu belegen“
Apotheker enttäuscht: Drei Angestellte abgeworben»
„Der Betriebsablauf darf nicht gestört werden“
Angestellte abwerben: Das ist nicht erlaubt»
Report Mainz über Impfpassfälschungen
Apotheken im Fadenkreuz von Impfgegnern»
Dosierung, bedenkliche Stoffe, Preis
Retaxgefahr Rezeptur»
Rechtliche und pharmazeutische Aspekte
Grauzone: Abgabe von mehreren OTC-Packungen»