Posttraumatische Belastungsstörung

Cannabis gegen Angst und Trauer

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Berlin -

Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) und Angstzustände können wahrscheinlich durch Cannabis-haltige Arzneimittel gemildert werden. Das legten Wissenschaftler aus Rom und Kanada bei einem Kongress in Berlin nahe.

Es gibt sehr wenige methodisch anspruchsvolle Studien, die die Auswirkungen von Cannabis bei Patienten mit PTBS untersucht haben. Beobachtungsstudien deuten darauf hin, dass sich die Einnahme von Cannabis möglicherweise positiv auf PTBS oder Schweregrade der Depressionssymptomatik und dem Beschäftigungsstatus sowie negativen Effekten in Bezug auf gewalttätiges Verhalten, Drogen- und Alkoholmissbrauch und Suizidgedanken auswirkt. Aussagestarke Untersuchungen an Menschen gibt es noch keine.

Aus der Sicht der Wissenschaftler hat Medizinalhanf ein Potenzial: „Menschen mit Trauma-bedingten Stresssyndromen wenden sich häufig der Selbstmedikation mit Cannabis zu“, erklärte Dr. Patrizia Campolongo von der Universität Sapienza in Rom. Da sich das Gesetz in vielen Ländern bezüglich des Konsums von Cannabis ändere beziehungsweise geändert habe, gebe es ein zunehmendes öffentliches Interesse zu den potenziellen therapeutischen Anwendungsmöglichkeiten von Cannabis.

An Labortieren hatte sie herausgefunden, dass synthetische Cannabis-Arzneimittel, die die Gehalte an natürlichen Cannabinoiden im Gehirn erhöhen, die Symptome eines Traumas verringern und gleichzeitig die kognitiven Dysfunktionen behandeln können. „Diese Medikamente wirken in viel gezielteren Gehirnbereichen als Cannabis zu Rauschzwecken und stoppen drei Monate nach der Behandlung das Wiederauftreten von Angstsymptomen.“ Dies entspreche mehreren Jahren beim Menschen und sei von Bedeutung, da PTBS-Patienten oft einige Zeit nach Ende der Behandlung zurückfallen würden.

Das Krankheitsbild der PTBS ist gekennzeichnet durch Symptome wie sich aufdrängende, belastende Gedanken und Erinnerungen an das Trauma oder Erinnerungslücken, Übererregungssymptome (Schlafstörungen, Schreckhaftigkeit, vermehrte Reizbarkeit, Affektintoleranz, Konzentrationsstörungen), Vermeidungsverhalten (Vermeidung Trauma-assoziierter Stimuli) sowie emotionale Taubheit (allgemeiner Rückzug, Interessenverlust, innere Teilnahmslosigkeit).

Die Symptomatik kann unmittelbar oder auch mit Verzögerung nach dem traumatischen Geschehen auftreten. Für die Überwindung einer PTBS ist eine umfassende Behandlung durch einen Psychiater von enormer Bedeutung. Normalerweise erfolgt die Behandlung ambulant, bei schweren Symptomen wie akute psychotische Störung oder akuter Suizidgefahr kann ein Klinikaufenthalt erforderlich sein.

Die Wissenschaftlerin ist der Ansicht, dass synthetische Arzneimittel, die das Niveau von natürlichen Cannabinoiden beeinflussen, sowohl die Angstsymptome reduzieren als auch den Zyklus unterbrechen können, durch den die Betroffenen das Trauma wiedererleben und somit weiterhin übermäßige Erinnerung daran haben. „Diese synthetischen Cannabisverbindungen sind sehr spezifisch und haben daher ein geringeres Risiko für Nebenwirkungen. Wir brauchen jetzt klinische Studien, um zu testen, ob das, was wir an Tieren gefunden haben, beim Menschen gleich ist“, so Campolongo.

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