Apotheker inszeniert Suchspiel

Wie Pokémon Go: Kürbisjagd in der Offizin

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Apotheker Wolfgang Wittig bietet Kollegen verschiedene Gewinnspiele an.
Berlin -

Wo haben sich die Kürbisse versteckt? Pharmazeut Wolfgang Wittig bringt die Herbstboten in die Offizin – in Form eines Suchspiels für das Smartphone. Der Inhaber der Bären-Apotheke in Düsseldorf will damit Online-Kunden in den stationären Betrieb bringen und bietet das Konzept auch Kollegen an. Diese Form des Marketings sei nicht verwerflich, sagt er – solange „Gewinnspiele seriös rüberkommen“. Wie stehen Sie zum Thema Gewinnspiele in Apotheken? Jetzt mit den Kolleginnen und Kollegen im LABOR austauschen.

Das „QR-Suchspiel“ gehört ab November zum Angebot der neu gegründeten Firma Kundenwunder, deren Geschäftsführer Wittig ist. Über den Ein-Mann-Betrieb werden auch eine Tombola sowie verschiedene Facebook-Pakete angeboten. „Das Suchspiel habe ich selbst erfunden“, sagt er. Für rund 200 Euro pro Monat können sich Kollegen das Konzept in die eigene Offizin holen. Der Einstieg funktioniere beispielsweise analog über einen QR-Code, der über Plakate, Flyer oder Anzeigen verbreitet werden könne. Digital könne der Einstiegslink beispielsweise über die Homepage bereitgestellt werden.

Vor seiner Apotheke steht ein Aufsteller mit der Aufschrift „Kürbisse suchen & gewinnen“. Der QR-Code leite den Kunden direkt auf die Startseite des Gewinnspiels. Dort kann er sich registrieren und teilnehmen. Die Herausforderung: Alle im Verkaufsraum versteckten Objekte – aktuell Fotos von Kürbissen – finden und scannen. Durch das Platzieren könnten Kunden gezielt in bestimmte Bereiche der Apotheke gesteuert werden. Sind alle Kürbisse gefunden, nimmt der Kunde automatisch am Gewinnspiel teil. „Pokémon ist die häufigste Assoziation, die damit verbunden wird“, so Wittig. Noch sei es aber zu früh und zu kostspielig, um Augmented Reality-Spiele in Apotheken anzubieten.

Nach Ablauf der Promotion werde der Gewinner ermittelt und die entsprechenden Daten an die Apotheke geschickt. Eine Besonderheit sei, dass der Kunde alle Aktionen selbstständig am Smartphone ausführe und dabei keine Arbeitszeit der Mitarbeiter am HV-Tisch gebunden werde. „Der Aufwand für die teilnehmende Apotheke hält sich dadurch absolut in Grenzen und der Kunde hat trotzdem ein tolles Gewinnspiel-Erlebnis, das ihn vom Flyer oder vom Internet direkt in die Apotheke bringt.“

Die Gewinne und die Dauer des Gewinnspiels lege der Inhaber fest, so Wittig. „Wir empfehlen bewusst keine Riesenpreise.“ Das Spiel solle Kunden aktivieren und sei nicht an einen Einkauf gebunden. Die Angebote von Kundenwunder seien juristisch geprüft. „Ich sehe hier nichts, was abmahnfähig wäre.“ Ein gutes Marketing, das Apotheken nach vorne bringe, sei wichtig. „Wir sollten in der Werbung zudem herausstellen, dass wir ein Fachbetrieb sind.“

Von Aktionen, bei denen hohe Geldbeträge verlost werden, hält Wittig nichts. Bei seinen Gewinnen handele es sich beispielsweise um Einkaufskörbe. „Wir werben nicht in unseriöser Weise, die den Beruf des Apothekers in Misskredit bringt.“ Die Aktionen sollten seriös umgesetzt werden, das fange bereits beim Design an. Vom Discount-Look hält er auch nichts. „Als Gruppen haben wir Bären-Apotheken eine Corporate Identity, die für mich seriös ist. Vielleicht sagt der ein oder andere aber, für mich ist Lila gar nichts.“

Jede Apotheke müsse ihre „eigene Sprache“ finden. „Wenn ich in einem ‚Ramschladen‘ glücklich bin, ist das auch ok.“ Das sei aber nicht die Sprache der Bären-Apotheken. „Wenn ich als Apotheke Qualitätsführer bin, ist es nicht schlimm, auch Preisführer zu sein.“ Zum Verbund gehören 25 Apotheken, die sich vor allem im Nordwesten befinden.

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