Arzneimittelrückstände

Schmerzsalben: Bitte später duschen – der Umwelt zuliebe APOTHEKE ADHOC, 13.11.2018 18:02 Uhr

Berlin - Arzneimittelrückstände belasten die Umwelt und nicht immer können sie vollständig aus dem Wasser entfernt werden. Apotheker könnten im Rahmen der pharmazeutischen Beratung helfen, die Restmenge der Arzneistoffmetabolite zu reduzieren. Deshalb bietet die Landesapothekerkammer Baden-Württemberg (LAK BW) eine Fortbildung an, um Pharmazeuten zu sensibilisieren.

Nach Angaben des Umweltbundesamts wurden bislang etwa 150 verschiedene Arzneimittelwirkstoffe in der Umwelt, vor allem in Gewässern, nachgewiesen. Hier werden für viele Wirkstoffe regelmäßig Konzentrationen im Bereich von 0,1 bis 1 µg/l, in seltenen Fällen aber auch mehr gemessen. Spuren von Arzneimitteln finden sich auch im Trinkwasser. Sie stellen zwar für die menschliche Gesundheit kein Risiko dar, können aber das Ökosystem stören. Für viele Medikamente ist das Ausmaß der Umweltrisiken wegen fehlender Daten zur Wirkung und Langzeituntersuchungen nicht genau zu beurteilen.

Für einige Wirkstoffe sind die schädlichen Auswirkungen auf Lebewesen in der Umwelt allerdings bereits klar belegt. Dazu gehört auch Diclofenac, das Leber und Niere der Fische schädigt. Weiterhin beeinträchtigt 17α-Ethinylestradiol, das in oralen Kontrazeptiva zu finden ist, bereits in einer sehr niedrigen Konzentration die Reproduktion von Fischen. Außerdem hemmen Antibiotika das Wachstum von Algen und Pflanzen.

Kürzlich hat sich die LAK BW mit dem Thema beschäftigt und eine Fortbildung für Apotheker angeboten, die durch das Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) konzipiert wurde. Denn häufig werden Arzneimittel falsch entsorgt, was dann zu negativen ökologischen Folgen führen kann. „Arzneimittel bitte auf keinen Fall in der Toilette oder dem Waschbecken entsorgen. Arzneimittel gehören in den Hausmüll. Dieser wird meist verbrannt. Dadurch werden die Wirkstoffe zuverlässig zerstört“, sagte Kammerpräsident Dr. Günther Hanke. Ein Verzicht auf Arzneimittel sei seiner Ansicht nach keine Lösung: „Arzneimittel sind ein Segen. Ich kann meinen Patienten in der Apotheke nicht empfehlen, starke Schmerzen aus Umweltschutzgründen zu ertragen.“ Aber nicht nur der Entsorgung, sondern auch der Metabolisierung komme eine Bedeutung zu. Denn eingenommene Arzneimittel werden nur teilweise vom Organismus abgebaut. Infolgedessen landen die natürlichen Ausscheidungen im Abwasser.

  • 1
  • 2

APOTHEKE ADHOC Debatte