Erst im Juli 2024 hat Felix Hauer seine erste Apotheke, die Kurpfalz-Apotheke in Neustadt an der Weinstraße, übernommen – kurz nach seinem Abschluss. Knapp zwei Jahre später hat Hauer nun seine erste Filiale übernommen.
Zum 1. Juni übernahm Hauer die Sonnen-Apotheke in Neustadt von Peter Stahl. „Das war eine relativ spontane Aktion“, erzählt Hauer. Er habe gegenüber einem Außendienstler erwähnt, sich gerne vergrößern zu wollen, um mehr Flexibilität und mehr Spielraum zu haben. „Mein Großhandelsvertreter hat mitbekommen, dass Herr Stahl aufhören möchte und einen Nachfolger sucht.“
So hat er die Apotheke übernommen – samt Team, versteht sich. „Die Leute kennen die Apotheke schließlich und die Kunden kennen das Personal“, erklärt Hauer. Insgesamt beschäftigt er nun zehn Mitarbeiter in beiden Apotheken: drei angestellte Apotheker, zwei PKA und fünf PTA.
Er könnte sich auch weitere Vergrößerungen vorstellen, konkrete Pläne hat er aber aktuell nicht. „Ich bin offen für alles. Wenn was Gutes kommt – dann gerne!“
Hinsichtlich der wirtschaftlichen Lage im Apothekenmarkt ist Hauer optimistisch. Auch politisch gehe es voran: „Das ApoVWG ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber das Gesetz alleine erreicht so nichts.“ Es brauche mehr Honorar und weniger Bürokratie, um die Branche nachhaltig zu stabilisieren. „Ich freue mich natürlich über die Fixumserhöhung – effektiv sind es wegen des höheren Abschlags nur noch 9,20 Euro statt der versprochenen 9,50 Euro – aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung.“
Außerdem müsse der Bund endlich faire Wettbewerbsbedingungen zu ausländischen Versendern herstellen. „Es wäre schon viel getan, wenn das Rx-Rabattverbot konsequent durchgezogen würde“, meint der Apotheker. Außerdem müsse der Versandhandel auch nach denselben Regeln versenden, also GDP-konform. Hier müsse die Politik nachlegen.
Auch in den neuen pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) sieht der Apotheker Potenzial. „Aber ich denke, es erfordert einen engen Kontakt und Rücksprache mit den Ärzten“, betont er. Wichtig sei, dass man sich nichts wegnimmt. Die Berufsgruppen sollten ihre Kompetenzen erfüllen, wissen, wo diese liegen und wo eben nicht.
Das größte Problem für die Apotheken sei der Online-Handel. „Die größte Konkurrenz kommt aus dem Internet, über Versender und Drogerien“, betont er. Nicht nur wegen der wirtschaftlichen Belastungen, auch für die Patientensicherheit berge der Onlinehandel Risiken, da Beratung und Wechselwirkungscheck wegfallen würden. Dabei werde die Medikationsanalyse bei steigender Anzahl von Patienten mit Polymedikation immer wichtiger. Auch die elektronische Patientenakte (ePA) könnte im Alltag ein wichtiges Werkzeug werden, um Wechselwirkungen an der Kasse zu prüfen. Natürlich müsse sich jeder Patient selbst fragen, wie er mit dem Datenschutz umgehen wolle.
Hinsichtlich des Spargesetzes erklärte der Apotheker: „Ich verstehe, dass Kassen Geld sparen wollen, aber ich habe die Befürchtung, dass das System kollabiert.“ Schon heute würden viele Apotheken und auch Ärzte Schwierigkeiten haben, einen Nachfolger zu finden. Das unternehmerische Risiko sei sehr hoch. „Man verdient das Gleiche wie vor 20 Jahren, nur dass das vor 20 Jahren eine riesige Summe war und heute nicht mehr“, so Hauer. Auch beim Thema Pflege werde viel an den Angehörigen hängen bleiben.