„Schlaflose Nächte“

Nach Tod von Patienten: Heilpraktiker erklärte Einwaage dpa, 29.03.2019 20:53 Uhr

Krefeld - Hat er beim Anmischen eines Krebsmedikaments tödliche Fehler gemacht? Darum dreht sich ein Prozess gegen einen Heilpraktiker. Der gibt am ersten Verhandlungstag detaillierte Einblicke in sein Geschäft mit Pulvern, Fläschchen und Infusionen. Die Vorwürfe sind dramatisch: Mit einer ungeeigneten Waage soll er Medikamente für Krebspatienten angemischt haben. An den Folgen einer Überdosis starben drei von ihnen.

Am Landgericht in Krefeld behauptete der 61-Jährige aus Nordrhein-Westfalen am Freitag: „Ich habe ein gutes Gefühl, dass ich richtig und sauber gearbeitet habe.“ Er ist wegen fahrlässiger Tötung in drei Fällen und fahrlässigen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz in vier Fällen angeklagt. Er bedauere den Vorfall, sagte der Mann aus dem niederrheinischen Moers. „Ich habe seitdem schlaflose Nächte.“ Wie es zu den drei Todesfällen Ende Juli 2016 kommen konnte, kann sich der Angeklagte – angeblich – nicht erklären.

Das Medikament soll in den verschiedenen Fällen um das Drei- bis Sechsfache zu hoch dosiert gewesen sein. Am ersten Tag der Verhandlung machte er eine ausführliche Aussage. Eifrig und detailreich erklärte er seine berufliche Laufbahn. Er beschrieb Behandlungsmethoden, die er gelernt habe, wie er Patienten mögliche Therapien erklärt habe. Der Mann wirkte angespannt, sagte, er habe selbst ein großes Interesse daran, eine Erklärung zu finden. 2010 habe er seine Heilpraktikerprüfung abgelegt, ab September 2014 in einer Praxis in der Gemeinde Brüggen gearbeitet. Dort seien fast ausschließlich Krebspatienten behandelt worden – oft „hoffnungslose Fälle“, wie der 61-Jährige sagte.

Zum Jahreswechsel 2015/16 sei er dann zum ersten Mal mit dem experimentellen Wirkstoff 3-Bromopyruvat (3-BP) in Berührung gekommen. Hoffnung auf Heilung habe er seinen Patienten nie gemacht. „Dazu hatte ich ja auch zu wenig Erfahrung“, sagte der 61-Jährige. Und doch habe er den Eindruck gehabt, dass der Wirkstoff einigen Patienten helfe. Über einen Patienten berichtete er: „Der konnte am Anfang nicht allein laufen, nach der zweiten Behandlungswoche ist er wieder mit den Hunden spazieren gegangen.“ Der Mann war später durch die Verabreichung einer Infusionslösung mit dem Wirkstoff 3-BP gestorben.

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