Reisende sollen sich vorbereiten

Mehr Infektionen durch El Niño?

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Berlin -

Das Wetterphänomen El Niño könnte für deutlich mehr Infektionskrankheiten sorgen. Reisende sollen sich deshalb ausreichend vorbereiten, rät das Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin (BCRT). Besonders deutlich zeige sich dieser Zusammenhang bei Erkrankungen, die durch Stechmücken übertragen werden, so die Experten.

In diesem Jahr ist es laut dem BCRT sehr wahrscheinlich, dass in bestimmten Regionen der Welt veränderte Gesundheitsrisiken auftreten. „Grund dafür ist das sich mit hoher Wahrscheinlichkeit entwickelnde El-Niño-Ereignis“, erklären die Experten. Das Wetter- und Niederschlagsmuster werde in vielen Teilen der Welt davon beeinflusst.

Reisevorbereitungen anpassen

Zum Teil können außergewöhnlich starke Regenfälle auftreten, aber auch extreme Trockenheit oder Hitze. Das BCRT empfiehlt Urlaubern deshalb, die gesundheitliche Reisevorbereitung an die aktuellen Bedingungen im Reiseland anzupassen.

„El Niño verändert nicht nur das Wetter – das Phänomen kann auch die Verbreitung von Infektionskrankheiten beeinflussen“, erklärt Professor Dr. Tomas Jelinek, medizinischer Direktor des BCRT und wissenschaftlicher Leiter des Centrums für Reisemedizin (CRM). „Für Reisende bedeutet das nicht, auf Fernreisen verzichten zu müssen. Vielmehr sollten sie sich vor der Abreise ausreichend darüber informieren, welche gesundheitlichen Risiken aktuell an ihrem Reiseziel bestehen und wie sie sich wirksam schützen können.“

Infektionen durch Stechmücken

Reisende würden El Niño häufig zunächst mit schwierigen Wetterbedingungen verbinden, so Jelinek. „Mindestens ebenso bedeutsam sind jedoch die indirekten gesundheitlichen Folgen. Klimatische Veränderungen können die Lebensbedingungen von Mücken und anderen Krankheitsüberträgern verändern und dadurch Infektionsrisiken beeinflussen“, macht er deutlich.

Besonders deutlich zeige sich dieser Zusammenhang bei Erkrankungen, die durch Stechmücken übertragen werden. „Starke Niederschläge und Überschwemmungen schaffen zusätzliche Wasseransammlungen, die als Brutstätten dienen können“, so der Experte. Doch nicht nur Starkregen spiele eine Rolle: „Auch während längerer Trockenperioden können verbleibende Wasseransammlungen zu Brutstätten für Stechmücken werden. Dadurch können sich die Risiken für mückenübertragene Erkrankungen wie Dengue-Fieber, Chikungunya, Zika oder Malaria regional verändern.“

Hepatitis A, Typhus oder Cholera

Aber nicht nur das: „Nach Überschwemmungen kann zudem das Risiko wasser- und lebensmittelübertragener Infektionen wie Hepatitis A, Typhus oder Cholera steigen“, so Jelinek. „Auch das Risiko für Leptospirose kann unter bestimmten Bedingungen zunehmen.“ Diese wird durch direkten oder indirekten Kontakt mit dem Urin infizierter Säugetiere übertragen. Auch Melioidose, eine gefährliche Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Burkholderia pseudomallei ausgelöst wird, kann unter warmen und feuchten Bedingungen häufiger auftreten. Der Erreger dringt meist über kleine Verletzungen der Haut in den Körper ein.

Ein weiteres Risiko: „Veränderungen der Meerestemperaturen und mariner Ökosysteme können regional auch das Risiko bestimmter mit Meerestieren assoziierter Vergiftungen, beispielsweise durch Ciguatera, beeinflussen“, so das BCRT.

Welche Infektionsrisiken tatsächlich zunehmen, hänge jedoch immer von den lokalen klimatischen Bedingungen und der epidemiologischen Situation vor Ort ab. „Nicht jedes Reiseziel ist gleichermaßen betroffen“, betont Jelinek. „Gerade deshalb ist es wichtig, aktuelle Entwicklungen ebenso wie Reiseziel, Reisezeit und persönliche Risikofaktoren zu berücksichtigen.“

Kein Anlass zur Verunsicherung

Auch wenn sich klimatische Bedingungen verändern, bestehe für Reisende kein Anlass zur Verunsicherung, so das BCRT. Entscheidend sei vielmehr eine ausreichende Vorsorge, beispielsweise die Überprüfung des Impfschutzes. „Je nach Reiseziel können Impfungen gegen Hepatitis A, Typhus oder einige von Mücken übertragene Krankheiten empfohlen sein.“ In Malariagebieten sollte außerdem rechtzeitig geklärt werden, ob eine medikamentöse Prophylaxe oder die Mitnahme einer Notfallmedikation berücksichtigt werden sollte.

Hinzu kommt der konsequente Schutz mit Repellentien und das Tragen von langer, möglichst heller Kleidung. „Moskitonetze können das Risiko für mückenübertragene Infektionskrankheiten deutlich senken“, so das BCRT. Da verschiedene Mückenarten sowohl tagsüber als auch nachts aktiv sind, sollte der Mückenschutz gegebenenfalls während des gesamten Aufenthalts berücksichtigt werden. „Auch nach der Rückkehr sollten Reisende den Mückenschutz fortsetzen“, empfiehlt Jelinek. „Wer sich während der Reise mit Dengue-, Zika- oder Chikungunya-Viren infiziert hat, kann nach der Rückkehr heimische Stechmücken infizieren und somit zur lokalen Weiterverbreitung beitragen.“

Reisende sollten sich zudem nicht nur über Wetterentwicklungen informieren, sondern auch aktuelle Hinweise der Gesundheits- und Reisebehörden verfolgen.

Reisemedizinische Beratung

„Wir empfehlen, vor Fernreisen eine individuelle reisemedizinische Beratung in Anspruch zu nehmen. Sie trägt dazu bei, aktuelle Gesundheitsrisiken realistisch einzuschätzen und geeignete Vorsorgemaßnahmen auszuwählen. Dazu gehört ein an das Reiseziel angepasster Impfschutz, Mückenschutz sowie die Berücksichtigung aktueller Entwicklungen im Reiseland.“

„El Niño sollte kein Grund sein, auf eine Reise zu verzichten“, resümiert Jelinek. „Die meisten Reisen lassen sich auch unter veränderten klimatischen Bedingungen sicher durchführen. Wer sich gut vorbereitet und die Situation im Reiseland aufmerksam verfolgt, schafft die besten Voraussetzungen für eine sichere und unbeschwerte Reise.“

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