Deutschland ist auf Extremhitze als Krisenlage aus Sicht von Gesundheits- und Klimaexperten bisher nicht ausreichend vorbereitet. Mehr als 150 Institutionen und Verbände aus Gesundheitswesen, Pflege, Wohlfahrt und Zivilgesellschaft fordern daher, Hitzeschutz systematisch in Krisenvorsorge, Gesundheitsversorgung und Katastrophenschutz zu integrieren.
In einer gemeinsamen Pressemitteilung zum „Hitzeaktionstag 2026“ warnt das Bündnis, dass in einem extremen Hitzedom-Szenario Zehntausende Todesfälle in Deutschland innerhalb weniger Tage als möglich beschrieben würden. „Auf so ein Szenario ist Deutschland nicht vorbereitet.“ Gesundheitsbezogener Hitzeschutz müsse konsequent und flächendeckend umgesetzt werden.
Bei einem sogenannten Hitzedom bildet eine besonders stark ausgeprägte Hochdruckzone in der Atmosphäre eine „Kuppel“, die die Hitze über einem bestimmten Gebiet einschließt und heiße Luft gefangen hält. Schon länger kritisieren Experten, dass extreme Hitzeereignisse in Deutschland in der Risiko- und Katastrophenplanung hierzulande bisher kaum berücksichtigt seien.
Mit zunehmender globaler Erwärmung steigen den Angaben zufolge Häufigkeit, Dauer und Intensität von Hitzeperioden. Das habe man zuletzt in der extremen Hitzewelle in Europa Ende Mai noch vor dem offiziellen Sommerbeginn beobachten können. Solche stabilen Hochdrucklagen mit sehr hohen Temperaturen ohne nächtliche Abkühlung seien besonders gefährlich und könnten zu einer drastischen Zunahme hitzebedingter Todesfälle führen.
Auch wirtschaftliche Schäden nehmen nach Darstellung der Verbände in solchen Phasen deutlich zu. Für Deutschland werden demnach in aktuellen Szenarien hitzebedingte Verluste von rund 112,5 Milliarden Euro innerhalb weniger Jahre erwartet. „Wer Deutschland krisenresilient machen will, muss Hitze und andere Extremwetterlagen systematisch mitdenken“, heißt es.
Der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Dr. Klaus Reinhardt, sagte, „längere und intensivere Hitzeperioden belasten insbesondere ältere, kranke und pflegebedürftige Menschen und stellen zugleich das Gesundheitswesen vor große Herausforderungen“. Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Arztpraxen müssten auch unter Extrembedingungen leistungsfähig bleiben.
Nach den Worten der Gesundheits- und Sozialministerin von Mecklenburg-Vorpommern, Stefanie Drese (SPD), sind die Auswirkungen von klimawandelbedingten Extremwetterlagen auf die Gesundheit bislang noch nicht ausreichend im öffentlichen Bewusstsein verankert.
Zu den Initiatoren des Bündnisses zählen die BÄK, die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit, die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), der Deutsche Pflegerat, der GKV-Spitzenverband, die Klima-Allianz Deutschland sowie die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege. Insgesamt hätten sich über 150 Institutionen und Verbände angeschlossen.
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