Kräuterlikör vom Apotheker

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Bechers Sohn Jan übernahm um 1840 die Geschäfte. Er trieb den Handel mit dem Schnaps, inzwischen „Original Karlsbader Becherbitter“ genannt, weiter voran. In den Räumen der Apotheke konnte die Nachfrage bald nicht mehr bedient werden: 1867 ließ Becher daher eine Fabrik am Stadtrand bauen und den Magenbitter fortan dort abgefüllen. Ab 1885 exportierte er den Schnaps zuerst nach Polen, dann nach Deutschland und Frankreich. Monatlich erhielt jeder Kunde höchstens fünf Liter, wodurch Becher die Nachfrage noch zusätzlich ankurbelte. 1901 wurden der „Becherbitter“ als Marke im Handelsregister der Monarchie Österreich-Ungarn eingetragen und das Unternehmen zum königlichen Hoflieferanten erklärt. Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte Böhmen zur Tschechoslowakei und der Kräuterschnaps erhielt den tschechischen Namen „Becherovka“.

Im Laufe des Zweiten Weltkriegs verließ Familie Becher das Geschäftsglück: Der Betrieb wurde verstaatlicht; Erbin Hedda Becher war gezwungen, das Geheimrezept herauszugeben. Sie wurde nach Deutschland vertrieben. Aber die Nachfahrin des Firmengründers kannte das Rezept auswendig: 1949 gründete sie daher die Johann Becher OHG Likörfabrik in Köln und stellte „Karlsbader Becher“ her. Über Jahrzehnte hinweg existierten beide Unternehmen nebeneinander: Im Ostblock verkaufte der verstaatlichte Betrieb den Likör, in Deutschland übernahm das die neu gegründete Firma.

Doch kurz vor dem Mauerfall begannen die Unternehmen, sich um das Markenrecht zu streiten, das schließlich der Erbin zugesprochen wurde. 1997 erwarb der französische Spirituosenhersteller Pernod Ricard die Mehrheit am privatisierten tschechischen Unternehmen und beendete den Konflikt endgültig, indem er zwei Jahre später auch die deutsche Konkurrenz aufkaufte.

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