Kaiserschnitt-Babys: Hilft Vaginalsekret dem Immunsystem?

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Frankfurt/Berlin - Für die Gesundheit ihres Babys würden die meisten Eltern wohl vieles ausprobieren. Ein neuer Trend aus dem Ausland heißt Vaginal Seeding. Die Methode soll Kindern, die per Kaiserschnitt zur Welt kommen, beim Aufbau des Immunsystems helfen. Dafür wird der Mutter wenige Minuten vor der Geburt eine mit steriler Kochsalzlösung getränkte Mullbinde in die Scheide eingeführt, wie Susanne Steppat vom Deutschen Hebammenverband erklärt. Mit dem so aufgesaugten Vaginalsekret wird das Neugeborene dann eingerieben. „Ein Teil der Flüssigkeit wird auch in den Mund getropft“, sagt Steppat. „Das wird bei meinen Kolleginnen schon nachgefragt.“ Doch weil die Methode noch nicht ausreichend getestet sei, raten Experten, Studien abzuwarten.

Der Hintergrund: 90 Prozent der Zellen an und im menschlichen Körper seien Bakterien, sagt Professor Dr. Frank Louwen von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). Sie schützen in der Regel vor Krankheiten, leben im Einklang mit dem Menschen. Doch das sogenannte Mikrobiom ist bei Kaiserschnitt-Kindern anders als bei Babys, die auf natürlichem Weg geboren werden. Bei letzteren gleicht die Darmflora jener der Mutter, da das Kind im Geburtskanal Vaginalsekret schluckt. Vaginal- und Darmflora seien sehr ähnlich, erklärt Louwen.

Dagegen hätten Kaiserschnitt-Kinder vor allem Bakterien im Darm, die sich sonst auf Händen und im Gesicht ansiedeln. Es sind die ersten Bakterien, mit denen diese Babys im Kreißsaal in Kontakt kommen. „Nachweislich haben Kaiserschnitt-Kinder eine höhere Wahrscheinlichkeit, Krankheiten wie Adipositas, Diabetes und Allergien zu bekommen“, sagt Louwen.

Der Kinderarzt Dr. Michael Hauch schreibt in seinem Buch „Ihr unbekanntes Superorgan - Alles über das Immunsystem“, bei Kaiserschnittkindern dauere die Entwicklung einer gesunden Darmflora ein Vierteljahr länger. „Das Risiko, dass sich in dieser Zeit die falschen Kleinstlebewesen ansiedeln und den guten keinen Platz lassen, ist groß.“ Drei Viertel der Neugeborenen, die an Krankenhauskeimen erkrankten, seien Kaiserschnitt-Kinder.

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