Corona-Impfung in der Apotheke

Er will ab Montag starten – was sagt die Kammer?

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Berlin -

Mit einer Inzidenz von 1400 gehört der Vogtlandkreis zu den aktuellen Corona-Hotspots. Die Central-Apotheke in der Kleinstadt Falkenstein ist mittendrin im Geschehen – und will helfen, die Impfquote zu erhöhen. Inhaber Robert Herold will in Abstimmung mit einer Ärztin in der kommenden Woche starten. Jetzt wartet er auf die Freigabe seitens der Apothekerkammer in Dresden.

Herold ist ein umtriebiger Apotheker, der in seiner Heimatstadt in den vergangenen Jahren viel bewegt hat. Auch in der Corona-Krise geben er und sein Team alles. Zuletzt hat er gemeinsam mit der Stadt und Hausärzten für den 18. Dezember eine Impfaktion geplant. „Die 600 Termine waren nach drei Tagen vergriffen“, berichtet er.

Keine Zeit zu verlieren

Nun will er auch in seiner Apotheke selbst impfen – und zwar nicht erst im neuen Jahr, sondern so schnell wie möglich. Das Bedürfnis nach einem niedrigschwelligen Angebot sei in der Bevölkerung vorhanden; der Bedarf sei angesichts der hohen Fallzahlen groß. „Mich wundert es, dass wir erst im ersten Quartal starten sollen. Wir müssen jetzt die wahnsinnig hohen Positiv-Raten, die wir hier beim Testen sehen, in den Griff bekommen.“ Er führe täglich 40 bis 50 PCR-Tests mit einem Labor in Plauen durch. „Nur durch die Impfungen lässt sich die epidemische Lage in Sachsen wirkungsvoll beenden.“

In Erwartung der geplanten gesetzlichen Freigabe absolvierte er bereits eine Fortbildung im Netz zum Thema „Impfen“, die von der Bundesapothekerkammer (BAK) akkreditiert ist. „Die Grippeschutz-Impfkampagne ist an uns vorbeigegangen. Sachsen schläft da tief, die wollten es nicht.“ Bei Corona sei die Sache aber viel dringender. „Ich habe mich selbst informiert und bin auf diese Schulung gestoßen“, sagt er. In neun Modulen wurden alle relevanten Aspekte erörtert, von allgemeinen Grundlagen bis hin zu Aufklärung, Nebenwirkungen und Komplikationen sowie Impfen in besonderen Situationen.

Die Akzeptanz der Mediziner ist für ihn ausschlaggebend, sich in die Impfkampagne einzubringen: „Nur wenn die Ärzte dahinterstehen, geht es, dass auch Apotheker impfen. Ich habe meine Ärzte schon informiert. Wir brauchen eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe, da gehört Impfen dazu.“

Ärztin will delegieren und schulen

Eine Ärztin hat sich bereit erklärt, die Durchführung von Impfungen an den Apotheker zu delegieren – dies ist im „Gesetz zur Stärkung der Impfprävention gegen Covid-19“ explizit als Überbrückungslösung bis zum Inkrafttreten im neuen Jahr vorgesehen. Sie soll ihn auch in die praktischen Aspekte einweisen. „Hierbei orientieren wir uns am Curriculum für die Impfungen in Apothekern der BAK.“ Aus seiner Sicht sind damit die erforderlichen Voraussetzungen erfüllt – und damit könnte es losgehen: „Der Bundesrat wird am Freitag die notwendigen gesetzlichen Grundlagen verabschiedet haben. Dann könnten wir in der nächsten Woche die Impfkampagne unterstützen.“

Nun wartet Herold auf die erforderliche Genehmigung durch die Sächsische Landesapothekerkammer (SLAK), die er um „wohlwollende Freigabe“ gebeten hat. Auf seine ersten Anfragen habe man in Dresden eine eher zögernde Reaktion gezeigt, frühestens Ende Januar sei mit Schulungen zu rechnen. Aber Herold ist der festen Überzeugung, dass die aktuellen Umstände pragmatisches Handeln erfordern.

Es könnte sofort losgehen

Vor Ort ist jedenfalls alles bereit: Als Ort für die Impfungen nutzt er Räumlichkeiten außerhalb der Apotheke. Diese sind mit einer Liege beziehungsweise einem Bett ausgestattet, ein Ruheraum und sanitäre Einrichtungen sind vorhanden. Ein entsprechendes Hygienekonzept liegt ebenfalls vor. Termine werden online vergeben. „Für die Eintragung im Impfpass existiert ein Stempel mit den notwendigen Kontaktdaten. Charge und Handelsname werden durch den Chargenaufkleber ergänzt“, so Herold in seinen Erläuterungen gegenüber der Kammer. „Die Ärzte sind zu den geplanten Terminen in Rufbereitschaft und wissen von meinen Tätigkeiten. Im Falle meiner Abwesenheit aus der Apotheke ist jederzeit die Besetzung der Apotheke mit einem verantwortlichen Apotheker gewährleistet.“

Gegenüber der Landesdirektion als zuständiger Aufsichtsbehörde will Herold die Impfungen analog zur Genehmigung für sein Testzentrum anzeigen. Was nun noch fehlt, damit es losgehen kann, ist grünes Licht von der Kammer.

Doch dort dämpft man die Erwartungen: Der Vorstand werde sich am kommenden Mittwoch mit dem Thema Impfen in der Apotheke auseinandersetzen, sagt Vizepräsident Göran Donner auf Nachfrage gegenüber APOTHEKE ADHOC. „Um in der Apotheke impfen zu können, sind verschiedene Voraussetzungen zu erfüllen.“ Als Beispiele nennt er etwa die Fortbildung und den Impfstoffbezug.

Auch die entsprechenden rechtlichen Voraussetzungen müssten noch geschaffen werden. „Außerdem bedarf es zur Abrechnung einer Anpassung der entsprechenden Verordnung“, so Donner. „Ich glaube offen gestanden nicht, dass wir noch in diesem Jahr impfende Apotheker in eigener Verantwortung in Sachsen sehen werden.“

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