Corona-Impfung in der Apotheke: Insights aus Theorie und Praxis | APOTHEKE ADHOC
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Corona-Impfung in der Apotheke: Insights aus Theorie und Praxis

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Berlin -

Jede zweite Apotheke will Corona-Impfungen anbieten, entsprechend groß war das Interesse am APOTHEKE ADHOC Webinar. Mehr als 1700 Teilnehmer:innen schalteten am gestrigen Abend ein – und erfuhren exklusive Insights aus Politik und Praxis. Jetzt anmelden und Webinar ansehen.

Thomas Rochell, Vorstandsvorsitzender des Apothekervereins Westfalen-Lippe (AVWL), gab exklusive Einblicke über die Prioritäten der Abda. Rochell zufolge arbeitet die Bundesapothekerkammer (BAK) „mit Hochdruck“ daran, die Vorgaben für die Schulungen zu definieren. Hierzu befinde man sich im Austausch mit der BÄK. Vorgesehen ist demnach eine dreistündige praktische Schulung, die sogar auf die Hälfte reduziert werden kann, wenn der Apotheker oder die Apothekerin bereits einen Erste-Hilfe-Schein haben. Dazu kommen anderthalb Stunden Theorie in Gestalt eines Online-Seminars.

Keine MFA in Apotheken

Laut Rochell soll zudem die Möglichkeit bestehen, sich direkt von Ärzt:innen schulen lassen. „Daran wird gerade gearbeitet, damit man sehr schnell zu vielen impfenden Apothekerinnen und Apothekern kommt“, so der AVWL-Chef. Klar benannte er im Webinar auch die Grenzen: Impfen dürfen nur Apotheker:innen. Das schließt impfende PTA ebenso aus wie die Beschäftigung anderer medizinischer Fachkräfte in der Apotheke. Vorbereitende Tätigkeiten könnten von PTA zwar übernommen werden. „Aber Sie müssen sich im Klaren sein, dass Sie als Apothekerin oder Apotheker am Ende persönlich haften.“

Zu Firmen zu fahren oder Hausbesuche abzustatten, gehe ebenfalls nicht – analog zu den Grippeprojekten. Aber das sei auch gar nicht nötig: In den Apotheken könnten die Teams in dieser Phase einen wichtigen Beitrag leisten. „Ich hoffe, wir bekommen die Beinfreiheit. Die Politik fordert, das nicht nur zu wollen, sondern das auch umzusetzen.“

Honorar wie die Ärzte

Viele Apotheken fragen sich zudem, ob sich der Service überhaupt lohnt. Eine Analyse des Grippemodellprojekts hat Rochell zufolge ergeben, dass der Service für 25 Euro kostendeckend angeboten werden kann. Mit digitaler Unterstützung ließe sich das etwas günstiger darstellen. Aber für den AVWL-Chef ist klar, dass die Apotheken dieselbe Honorierung erhalten müssen wie die ärztlichen Kolleg:innen.

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In Westfalen-Lippe konnten die Apotheken schon erste Erfahrungen in Grippemodellprojekten machen, bislang nur für AOK-Versicherte. Rochell betont, dass die Apothekerschaft auch in der Pandemie gezeigt habe, dass sie bestimmte zusätzliche Dienstleistungen anbieten kann, und dazu zähle er explizit das Impfen. Jetzt müsse die Politik den Apotheken die nötigen Spielräume gewähren, zum Beispiel mit Blick auf die Räumlichkeiten. Weil es keine zwei gleichen Apotheken in Deutschland gebe, müssten die Vorgaben möglichst flexibel sein. So wie bei den Tests, die nach anfänglicher Unsicherheit auch außerhalb der Offizin durchgeführt werden durften – was absolut sinnvoll gewesen sei.

Geimpfte Mitarbeiter

Eine Impfpflicht für Impf-Apotheker gibt es übrigens nicht, das hatte gestern auch das Bundesgesundheitsministerium (BMG) noch einmal klargestellt. Aber: Wer gegen Corona impft, muss selbst gegen Masern geimpft sein. Auch eine Hepatits-Impfung wird empfohlen, ist aber laut Rochell nicht verpflichtend.

Apotheken impfen „kuscheliger“

Über Erfahrungen mit Corona-Impfungen konnte Florian Peer berichten. Der Apotheker aus Südtirol impft in seiner Apotheke bereits seit November und freut sich über die positive Resonanz: „Die Kunden sagen immer, bei uns sind die Impfungen kuscheliger.“ Er teilte im Webinar ganz praktische Kenntnisse mit den deutschen Kolleg:innen: Um medizinische Risiken möglichst auszuschließen, werden in den Peer-Apotheken nur Personen geimpft, die auf dem Anamnese-Bogen bei allen relevanten Vorerkrankungen „Nein“ angekreuzt haben. Die Anamnese dauert Peer zufolge fünf bis zehn Minuten bei Erstgeimpften, bei Boostern geht es schneller.

Digitale Impfplanung

Für eine möglichst effiziente Auslastung empfiehlt Peer eine digitalisierte Terminplanung, idealerweise mit einem lernenden Tool, in dem die Erfahrungen aus der Praxis zeitnah umgesezt werden können. Denn die Ansprüche ändern sich fortlaufend, zum Beispiel müssen die Programme die Impfstoffe für die verschiedenen Dosierungen trennen können, damit möglichst kein Verwurf entsteht.

Noch einen Tipp hat Peer für die Planung: Bei einem Termin um 6.21 Uhr erscheinen die Patient:innen eher pünktlich, weil die exakte Angabe einen stringenten Ablauf suggeriert. Der Freitag ist insgesamt ein sehr guter Tag, Aktionen am Freitagabend werden in den Peer-Apotheken besonders gut angenommen. Auch bei hoher Nachfrage lohnt sich Peer zufolge eine Warteliste, um auf Absagen spontan reagieren zu können.

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Ein Tool, das sich für die Organisation von Corona-Impfungen anbietet, stammt von NoQ. Den italienischen Hersteller kennen viele Apotheken bereits, weil sie mit seiner IT die Corona-Tests organisieren. Geschäftsführer Christian Popiens zeigte, wie das System funktioniert und welche Aspekte man von Anfang an mitdenken sollte. Seiner Meinung nach ist das Besuchermanagement das A und O, damit das Impfen in der Apotheke reibungslos abläuft und zum Erfolg wird. Mit zahlreichen Apothekerverbänden gebe es außerdem schon Rahmenvereinbarungen, sodass die Mitglieder den Service zu besonderen Konditionen nutzen könnten.

Apotheke organisiert Impfzentren

Apothekerin Heike Gnekow impft schon in einem Center zusammen mit Ärzten. Bislang übernimmt die Apotheke nur die logistischen Aufgaben. Mit der Freigabe für die Apotheken soll das Projekt ausgeweitet werden. Derzeit schafft das Team vier Patient:innen in zehn Minuten. Die empfohlene Wartezeit von 15 Minuten nach der Impfung werde nicht kontrolliert. „Im Warteraum hängt eine Uhr, das liegt schon in der Verantwortung des Patienten“, so die Apothekerin.

Das Nadelöhr ist laut Gnekow die Terminplanung. Deshalb wird in „ihrem“ Impfzentrum auch nur nach Termin geimpft, damit alle Daten schon ausgefüllt sind. Denn die Alternative sehe sie in Hamburg jede Tag: Die Menschen stehen stundenlang im Regen vor Spontan-Impfzentren.

Viele Apotheken befürchten Ärger mit den Arztpraxen, wenn sie ins Impfen einsteigen. Apotheker Peer aus Brixen hat diese Erfahrung nicht gemacht – jedenfalls außerhalb der Standesvertretung, die das vielleicht als ihre Pflicht sehe. „In der Praxis sehen alle es als ihre Pflicht, dass möglichst schnell möglichst viele Menschen geimpft werden“, so Peer.

Gnekow kann das nur bekräftigen: „Es geht darum, diese 30 Millionen Dosen bis Ende des Jahres in die Leute zu kriegen. Das ist kein Platz für irgendwelches Standesgedünkel.“ Rochell hat in Westfalen-Lippe beim Grippeprojekt den Wiederstand der Ärzteschaft zu spüren bekommen, hofft aber auch darauf, dass der politische Wille jetzt allgemein akzeptiert wird.

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