Die Entgelte für Auszubildende sind im vergangenen Jahr in tarifgebundenen Unternehmen erneut stärker gestiegen als die allgemeinen Gehälter. In 20 ausgewählten Tarifbranchen kletterten die Monatsentgelte für den Nachwuchs im Schnitt um 6,7 Prozent, wie das WSI-Tarifarchiv der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung errechnet hat. Die regulären Tariferhöhungen brachten 2025 nur einen Zuwachs von 2,6 Prozent. Für das laufende Jahr rechnen die Experten mit 3,9 Prozent bei den Auszubildenden und 3,1 Prozent bei den Tariflöhnen.
Bereits im ersten Jahr erhalten die allermeisten Tarifauszubildenden demnach mehr als 1000 Euro im Monat und liegen damit auch über dem Bafög-Höchstsatz für Studierende von 992 Euro. Die Gewerkschaften streben an, dass die Berufsanfänger ihre Existenz unabhängig von den Eltern bestreiten können.
Lediglich in drei beobachteten Tarifbranchen werden im ersten Ausbildungsjahr weniger als 1000 Euro gezahlt. Das gilt für Azubis in der Landwirtschaft, in der Floristik in Westdeutschland und im Friseurhandwerk in Nordrhein-Westfalen, wo mit 785 Euro am wenigsten gezahlt wird. Fast das Doppelte gibt es mit 1491 Euro bundeseinheitlich für Pflegeberufe im Öffentlichen Dienst von Bund und Gemeinden. Den absoluten Spitzenwert erreichen gewerbliche Auszubildende am Bau mit 1714 Euro im vierten Lehrjahr.
Das Institut verweist zugleich auf große Unterschiede zwischen tarifgebundenen und tariflosen Betrieben, in denen rund 45 Prozent aller Auszubildenden beschäftigt seien. Ohne Tarifvertrag gilt für die jungen Leute nur die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung von monatlich 724 Euro im ersten Ausbildungsjahr.
In den vergangenen zehn Jahren sind die Ausbildungsvergütungen mit einem Plus von 47 Prozent deutlich schneller gestiegen als die Tariflöhne (+ 35 Prozent). Vor allem Dienstleistungsbranchen mit einem insgesamt niedrigen Vergütungsniveau hätten die Sätze hochgesetzt, um dem zunehmenden Fachkräftemangel zu begegnen, sagt WSI-Experte Thorsten Schulten.
APOTHEKE ADHOC Debatte