Im Umfeld des Frankfurter Flughafens sind drei Menschen an einer Malaria-Infektion gestorben, die nicht zuvor in einem Risikogebiet waren – würden Ärzte eine solche Infektion überhaupt erkennen? Schließlich sind die Symptome – Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Magen-Darm-Beschwerden – keineswegs selten.
In der Hausarztpraxis sei Malaria „ohne Vorwarnung“ – also ohne dass der Patient zuvor in einem Risikogebiet war – schwer zu erkennen, sagt der Vorsitzende der hessischen Hausärzte, Christian Sommerbrodt. „Das liegt daran, dass das extrem selten vorkommt und dass die Symptome so unspezifisch sind.“
Typischerweise denke man als Hausarzt bei Fieber nicht zuerst an Malaria, wenn der Kranke nicht auf Reisen war, „sondern vielleicht erst nach dem zweiten oder dritten Fieberschub“. Ein Indiz könnte sein, dass andere Symptome, die mit Infekten einhergehen wie Halsschmerzen oder Husten, fehlen. Seit den Fällen am Flughafen seien die Ärzte aber für das Thema sensibilisiert.
Um eine Infektion zu erkennen, gebe es zwar Schnelltest. Praxen hätten diese aber in der Regel nicht vorrätig. Die Tests seien nicht lange haltbar, nicht besonders genau und würden selten gebraucht. Sie vorrätig zu halten sei „wirtschaftlich nicht sinnvoll“.
Der Stadtteil Schwanheim liegt im Westen von Frankfurt, direkt am Main. Im Süden grenzt ein Waldgebiet an, dahinter befindet sich der Frankfurter Flughafen, der größte Airport bundesweit. Eine Anopheles-Mücke soll den Erreger fünf Kilometer weit vom Flughafen in den Stadtteil mit rund 20.000 Einwohnerinnen und Einwohnern transportiert und zwei Bewohner infiziert haben.
Der genaue Ablauf der Infektionen wird derzeit noch untersucht. Die Stadt hat dazu etwa Mückenfallen aufgestellt, sowohl in Schwanheim als auch am Flughafen. In seltenen Fälle könnten Anopheles-Mücken fünf bis zehn Kilometer überwinden, erklärte das Frankfurter Gesundheitsamt. Das würde in diesem Fall passen. Grund zu Angst oder Panik gebe es aber nicht.
Zu den zwei Schwanheimer Malaria-Erkrankten gibt es vom Gesundheitsamt keine weitere Information. Bekannt ist lediglich, dass beide in verschiedenen Haushalten lebten und der verstorbene Patient oder die verstorbene Patientin in der Universitätsmedizin in Behandlung war. Auch der zweite Fall wird stationär behandelt, hieß es zuletzt. Weitere Fälle seien nicht bekanntgeworden.
Von Flughafen-Malaria geht das Gesundheitsamt aus, da die beiden Betroffenen zuvor keine Reise in ein Malaria-Gebiet unternommen hatten. Bereits im Sommer gab es in Frankfurt sechs Fälle einer solchen Infektion, betroffen waren Mitarbeiter des Flughafenbetreibers Fraport. Zwei von ihnen starben.
Die Anopheles-Mücken, die den Erreger in sich tragen, werden mit Flugzeugen aus Malaria-Gebieten eingeschleppt. Pro Jahr gibt es nur wenige Fälle von derartigen Infektionen. Dass Flughafen-Anwohner betroffen sind, ist noch seltener. Das Gesundheitsamt rief die Menschen auf, Fliegengitter und anderen Mückenschutz zu verwenden und bei Symptomen zum Arzt zu gehen.
Panikmache gebe es teils unter älteren Leuten, besonders über WhatsApp-Gruppen. Eine Apothekerin berichtet, sie habe bisher nicht mitbekommen, dass sich die Schwanheimer große Sorgen machten. Kunden seien bis jetzt nicht besorgt auf sie zugekommen.
Viele Fragen sind derweil offen: Wie viele Mücken sind für die acht Infektionen und drei Todesfälle verantwortlich? Wieso flogen sie kilometerweit durch den Wald? Könnten Malariamücken sogar in der Nähe des Flughafens heimisch geworden sein?
Für Malariaforscher wie Dr. Carsten Köhler, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Leiter des Kompetenzzentrums Tropenmedizin an der Uni Tübingen, sind diese Fragen „wissenschaftlich höchstspannend“, wie er im Interview mit der „Zeit“ sagte.
Dass eingeschleppte Mücken die Malaria dauerhaft zurück nach Deutschland bringen, hält er für unwahrscheinlich – unter anderem, weil sie den Winter nicht überleben würden.
Die Stadt Frankfurt rief Ärztinnen und Ärzte auf, Flughafen-Malaria als potenzielle Erkrankung auf dem Schirm zu haben. Auch Bürger und Bürgerinnen sollen bei Symptomen aktiv werden.
Der Klimawandel, die Globalisierung und der zunehmende internationale Reiseverkehr dürften für einen Anstieg der Malaria-Fälle auch in Deutschland sorgen, wenn auch auf einem niedrigen Niveau. „Man muss die Kirche im Dorf lassen“, sagt der Schwerpunktleiter für Infektiologie und Tropenmedizin am Universitätsklinikum Würzburg, Professor Dr. August Stich.
„Es ist nach wie vor sehr, sehr, sehr, sehr selten.“ Malaria in Deutschland zu bekommen, ohne zuvor in einem Malaria-Gebiet gewesen zu sein, sei sehr unwahrscheinlich. Dennoch sollten die Behörden das Phänomen kennen und ernsthaft zur Kenntnis nehmen, „aber es ist überhaupt kein Grund zur Panik oder zu einer Katastrophenstimmung“. Verständlicherweise fühlten sich Menschen im Umfeld von Flughäfen nach den Todesfällen in Hessen aber nun verunsichert.
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