Versandapotheken

Sanicare legt Krone ab

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Berlin -

Sanicare wird sich künftig nicht mehr als „größte Versandapotheke in Deutschland“ bezeichnen. Darauf hat sich der Versender mit der Wettbewerbszentrale verständigt. Diese hatte Zweifel an der Sanicare-Werbung geäußert und aktuelle Zahlen verlangt.

Sanicare bezeichnet sich einem Werbefilm als Branchenprimus in Deutschland. Das rief Mitbewerber auf den Plan: Die Wettbewerbszentrale erhielt aus der Branche Anfragen zu dem Spot, der auch im Fernsehen läuft. Sanicare wurde zur Stellungnahme aufgefordert. Die Verantwortlichen sollten darlegen, warum sie sich zur der kritisierten Aussage berechtigt sehen. Denn offizielle Zahlen sind der Wettbewerbszentrale nicht bekannt. Wenn Sanicare selbst keine belastbaren Statistiken vorlegen kann, wäre der Anspruch irreführend.

Inzwischen hat Rechtsanwältin Christiane Köber von der Wettbewerbszentrale mit Sanicare-Chefapotheker Heinrich Meyer telefoniert. Demnach beruft sich die Versandapotheke auf Zahlen von 2014, die sie bei Bedarf vorlegen könnte. Doch das reicht der Wettbewerbszentrale nicht aus: „Zahlen zur Bewerbung müssen nicht tagesaktuell sein, aber im August 2016 reichen uns Zahlen aus 2014 nicht aus.“

Sanicare hatte dann noch eine Studie zur Bekanntheit von Versandapotheken ins Spiel gebracht, die die Beratungsfirma Sempora erstellt hatte. Doch auch diese Zahlen war der Wettbewerbszentrale nicht aktuell genug. Abgesehen davon sei daraus der Titel „größte Versandapotheke in Deutschland“ auch nicht abzuleiten, heißt es aus Bad Homburg.

In einem „sehr konstruktiven Gespräch“ habe man sich darauf verständigt, dass Sanicare die Bezeichnung in Zukunft nicht mehr verwende, berichtet Köber. Der Versandapotheke soll aber eine sogenannte Aufbrauchfrist für bestehende Werbemittel eingeräumt werden. Diese könnte je nach Art und Umfang dieser Mittel etwa vier Wochen betragen.

Sanicare wird jetzt die Werbemittel sichten und sich dann wieder mit der Wettbewerbszentrale in Verbindung setzen. Meyer ist sich sicher, dass man sich gemeinsam auch über den Zeitkorridor einig werden wird: „Wir werden eine Verständigung finden.“ Dass die Versandapotheke die Aussage doch noch mit aktuellen Zahlen belegen kann, ist dagegen unwahrscheinlich. Diese können Meyer zufolge derzeit nicht zweifelsfrei erhoben werden.

Maßgeblich für den Titel „größte Versandapotheke“ könnte der Umsatz sein, ebenso gut aber auf die Anzahl der verschickten Päckchen oder der Kundenstamm. Im Markt kursieren verschiedene Rankings – die aber nicht zwangsläufig übereinstimmen müssen. Mit Sicherheit kann niemand sagen, welche Versandapotheke wirklich die größte ist. IMS Health arbeitet nach eigenen Angaben immerhin mit 60 Prozent der großen Versandapotheken zusammen, die für 90 Prozent des OTC-Umsatzes stehen sollen. Rankings werden von IMS aber nicht veröffentlicht.

Grundsätzlich kein Problem hätte die Wettbewerbszentrale übrigens mit einer – belegten – Bezeichnung „größte Versandapotheke in Deutschland“, wenn dabei ausländische Versandapotheken ausgeschlossen werden. Denn die großen niederländischen Versandapotheken machen ihre Geschäfte zwar überwiegend hierzulande, sind aber eben nicht „in Deutschland“ – wie sich bei der Vollstreckung von Gerichtsurteilen gelegentlich zeigt.

Sanicare wird jedenfalls auf den Titel verzichten. Bei der Versandapotheke aus Bad Laer gibt es derzeit auch größere Baustellen als eine umstrittene Werbeaussage. Nach dem Tod des Mitinhabers Dr. Volkmar Schein wird weiter über die Besitzverhältnisse an der Versandapotheke gestritten.

Die Anwältin von Scheins Witwe Ingrid Schein hat erklärt, dass der Apotheker seit längerem psychisch krank gewesen sei, teilweise in stationärer Behandlung. Zum Zeitpunkt entscheidender Vermögensübertragungen sei er nicht geschäftsfähig gewesen, so die Anwältin Roya Comtesse von der Kanzlei Comtesse & Comtesse. Bei Sanicare hat man Meyer zufolge noch keine Kenntnis von diesen Wendungen im Fall Schein.

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