Spezialrezepturen

Apotheker-AG investiert elf Millionen Euro

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Berlin -

19 Millionen Euro hat der Berliner Apotheker Manfred Schneider mit seinem Specialty-Unternehmen Medios an der Börse eingeworben. Mit dem Geld soll die Expansion der beiden Tochterfirmen Medios Manufaktur und Medios Pharma vorangetrieben werden. Der größte Teil soll in zusätzliche Produktionskapazitäten fließen: An einem neuen Standort können in einigen Jahren fünfmal so viele Sterilrezepturen hergestellt werden wie heute.

In einem Gewerbegebiet in Berlin-Charlottenburg hat sich Medios ein Grundstück mit 3200 Quadratmetern gesichert. Im bestehenden Bürogebäude mit 2000 Quadratmetern soll bis Ende kommenden Jahres die Produktion untergebracht werden, die bislang in angemieteten Räumen in der Nähe der Charité angesiedelt ist. Bis 2020 kann sich die Kapazität so verfünffachen: Geplant sind nicht nur mehr Werkbänke – modernste Technologie mit einem Maximum an Automatisierung soll zu höherer Produktivität führen. Außerdem ist ein Neubau mit bis zu 3000 Quadratmetern geplant, wo alle anderen Geschäftsbereiche untergebracht werden sollen.

„Die Immobilie eignet sich perfekt für die Umsetzung unserer Wachstumsstrategie“, sagt Schneider. „Sie bietet genug Fläche, um mittelfristig alle Gesellschaften der Medios-Gruppe an einem Standort zusammenzulegen. Dadurch können wir unsere Geschäftsprozesse optimieren, Synergien besser nutzen und Kosten reduzieren.“

Mit einem Umsatz von 43 Millionen Euro ist Medios Manufaktur zwar deutlich kleiner als der Branchenprimus Zytoservice aus Hamburg. Doch innerhalb von Berlin hat es das Unternehmen zum Marktführer gebracht – nicht zuletzt dank der AOK-Ausschreibungen. Auf 30 Prozent schätzt Schneider den eigenen Marktanteil innerhalb der Hauptstadt; 2015 wurden von 44 Mitarbeitern insgesamt rund 50.000 Zubereitungen an den Werkbänken in der Luisenstraße hergestellt. Über zehn verschiedene Apotheken werden mehr als 100 Praxen beliefert; drei Viertel des Geschäfts entfallen allerdings auf Schneiders BerlinApotheke sowie die Witzleben-Apotheke seiner Geschäftspartnerin Claudia Neuhaus.

Zweites Standbein ist der Großhandel. Seit 2015 wird der Einkauf über die Firma Medios Pharma abgewickelt. Im ersten Geschäftsjahr wurden knapp 60 Millionen Euro umgesetzt, 2016 waren es 128 Millionen Euro. Hier ist das Geschäft deutlich breiter gestreut, nur 20 Prozent der Erlöse entfallen auf die Apotheken von Schneider und Neuhaus. Insgesamt werden 90 Kunden in ganz Deutschland beliefert; für den Vertrieb verantwortlich ist Uwe Blechinger, der bis 2014 für den Reimporteur Haemato gearbeitet hat.

Mit 35 Lieferanten arbeitet Medios Pharma zusammen. Rund 380 Wirkstoffe können über das Unternehmen beschafft werden, insgesamt sind 1400 PZN gelistet. Wegen der hohen Preise wird möglichst wenig Ware vorrätig gehalten. Insgesamt sind im 660 qm großen Lager in Moabit rund 20 Mitarbeiter beschäftigt.

Ende vergangenen Jahres wurde die Tochterfirma Medios Digital neu gegründet. Das Unternehmen soll unter anderem die Grundlage für eine komplette elektronische Auftragsverarbeitung schaffen – womöglich bis hinein in die Arztpraxis. Auch andere Herstellbetriebe wie Omnicare haben Programme aufgelegt, die von den Onkologen für Therapieplanung und Patientendokumentation genutzt werden und Schnittstellen zu den Softwaresystemen der Apotheker haben.

Nicht weniger als Marktführer im Bereich Specialty-Pharma soll Medios werden. Um über Berlin hinaus als kompetenter Ansprechpartner wahrgenommen zu werden, wird gerade der eigene Außendienst ausgebaut.

Direkte Wettbewerber gibt es laut Schneider nicht: Die klassischen Vollversorger hätten kein Interesse an teuren Spezialpräparaten und straften entsprechende Bestellungen mit einem Malus. Das Portfolio von Medios reicht über die Krebstherapie hinaus: Zu den Kernkompetenzen zählen auch Indikationen wie Amyotrophe Lateralsklerose, Autoimmunerkrankungen, Infektionen wie Hepatitis und HIV, Morbus Fabry, Multiple Sklerose und Spezialindikationen aus den Bereichen der Nephrologie, Ophthalmologie und Rheumatologie.

Auch mit anderen Herstellbetrieben wie Zytoservice oder Omnicare werde man sich nicht in die Quere kommen, so Schneider. „Der Markt ist groß genug für verschiedene Ansätze.“ Medios soll sich durch größtmögliche Freiheit für alle Partner auszeichnen: „Bei uns muss keiner Anteile kaufen, und wir haben auch keine Ambitionen, Ärzte als MVZ-Angestellte führen zu müssen“, so Schneider.

Die Zeit der Einzelkämpfer ist aus seiner Sicht vorbei: „Heutzutage beliefert man als Apotheke nicht mehr nur einen Onkologen so wie früher“, sagt er. „Das kann der Einzelne nur schwer schaffen.“ Als Dienstleister für Apotheken will er die Versorgung vor Ort mit bestmöglicher Kompetenz stärken, die gerade bei schweren Erkrankungen unverzichtbar sei.

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