Kardiologen bieten App für Folgerezepte

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Berlin - Es ist ein Trauerspiel: Im Januar 2005 wurde die Gematik gegründet, um die Einführung von E-Rezept und elektronischer Patientenakte (ePA) zu organisieren. 15 Jahre später ist es immer noch ein politisches Projekt, wenn auch mittlerweile nicht mehr weit von der Realisierung entfernt. In der Zwischenzeit haben viele die Geduld verloren. Die Kardiologen beispielsweise: Sie haben als Verband mit dem CardioCoach eine digitale Rezeptanwendung entwickelt, die Funktionen der ePA vorweg nimmt – auch, weil bisher niemand über die zusätzliche Vergütung von Dienstleistungen wie dem Einstellen digitaler Daten in eine App gesprochen hatte.

Ein niedrigschwelliges Angebot soll es sein, das „in die Lücke stößt, die im Moment offen ist“, erklärt ein Sprecher von BNK Service, dem Dienstleistungsunternehmen des Bundesverbands Niedergelassener Kardiologen (BNK), das die App verantwortet. Denn die ePA kam und kam einfach nicht, sodass die Kardiologen vor zwei Jahren einfach ihre eigene Akte auf die Beine gestellt haben. Dabei habe man auch eine Antwort auf andere Angebote wie die App Vivy geben wollen, die vergangenen Sommer von einem Bündnis aus IKK, DAK, Gothaer, Allianz, Barmenia und Süddeutscher Krankenversicherung ins Leben gerufen wurde. Denn dabei gehe es stets um zusätzliche Dienstleistungen der Ärzte – ohne Honorar. „Die Dateneingabe soll bei diesen Konzepten stets vom Leistungserbringer erfolgen, es gibt dazu aber keine Vergütungsstruktur“, so der BNK-Sprecher.

So kann der Arzt beispielsweise bei Vivy Dokumente wie Blutbilder, Röntgen- oder CT-Aufnahmen nicht nur aus der Praxissoftware heraus, sondern auch per Fax in die App schicken. Beim CardioCoach ist das nicht der Fall, hier soll der Patient am Steuer bleiben. Entsprechend ist der CardoCoach auch technisch etwas dünner gestaltet. „Wir bieten eine eher kleine Lösung an“, so der Sprecher. „Eigentlich ist es nichts anderes als ein digitaler Leitz-Ordner.“ Dabei kann der Patient alle ihm vorliegenden Informationen zu Erkrankungen und Therapien an einem Ort ablegen und diese Informationen für bestimmte Ärzte oder andere Leistungserbringer zeitlich begrenzt teilen. „Das ist genau die Idee dahinter: Der Patient selbst hinterlegt die Daten, nicht der Arzt.“

Arztberichte, Labor - und Röntgenbefunde oder Patientenausweise können aus der App heraus abfotografiert und gespeichert werden. Mittels eines Tokens kann dann für einen ausgewählten anderen Endnutzer, zum Beispiel eine Arztpraxis, eine Freigabe zur Einsicht erteilt werden, die dann für 30 Minuten gilt. Ein mit dem Smartphone synchronisierter Terminkalender organisiert darüber hinaus Arztbesuche, Impftermine und Vorsorgetermine. Ein Medikamentenwecker, bei dem man nur die PZN des Arzneimittels scannen muss, erinnert pünktlich an die Einnahme der Arzneimittel – und enthält eine Art E-Rezept light.

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