Corona gibt Video-Sprechstunden einen Schub

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Um regelmäßig genutzte Rezepte zu verschreiben, könne man auch eine Rezept-Hotline einrichten, meint Berndt. So mache er es in seiner Praxis. „Dieser Service wird auch oft genutzt. Täglich haben wir 20 bis 25 Patienten, die diese Hotline in Anspruch nehmen.“ Video-Konferenzen könnte man aber nutzen, um bei einer Behandlung kompetente Kollegen aus unterschiedlichen Orten als Experten zurate zu ziehen, schlägt der Verbandschef vor. Berndt findet es wichtig, dass der Patient eine Vertrauensperson trifft. So könnten medizinische Fachangestellte Hausbesuche machen und per Video den Arzt dazu schalten. Ein solches Modell gibt es bereits – Hintergrund ist der Ärztemangel vor allem in ländlichen Regionen. Die Video-Sprechstunden können dieses Versorgungsproblem nicht lösen, ist Berndt überzeugt: „Einer multimorbiden, dementen 80-Jährigen kann ich kein Smartphone in die Hand drücken.“

Die Möglichkeit einer Video-Sprechstunde ist auch eine Kostenfrage. Vor Corona waren solche Angebote meist kostenpflichtig. Das hat sich jetzt geändert: „Sie kann als kassenärztliche Regelleistung nun auch als ausschließliche Fernbehandlung auch unbekannter Patienten erbracht werden“, sagt der Leiter der Techniker Krankenkasse-Landesvertretung, Dirk Engelmann. Aber auch für Ärzte können Video-Sprechstunden von Interesse sein, denn sie bekommen mehr Geld. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung gibt als Anschubfinanzierung eine Förderung von zehn Euro pro Sprechstunde.

Die Öffnung dieses Angebots für alle bedeutet aber nicht, dass die Video-Sprechstunden über Plattformen wie Zoom oder WhatsApp-Video erfolgen dürfen. Hierfür sind bestimmte Plattformen zulässig, die die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) zertifiziert hat. Zu den rund 30 Anbietern zählt Teleclinic. Während der Pandemie sei die Nachfrage gestiegen, sagt Geschäftsführerin Jünger. Teleclinic habe ein Wachstum von rund 350 Prozent zwischen Jahresbeginn und Ende September verzeichnet. Absolute Zahlen nannte das Unternehmen nicht.

 

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