Apothekenkosmetik

Eucerin zieht an Vichy vorbei

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Berlin -

Kosmetikprodukte sind ein wichtiger Umsatzbringer in der Apotheke. Doch während das Geschäft vor Ort seit Jahren rückläufig ist, legt der Versandhandel konstant zweistellig zu. Aktuell liegt der Marktanteil laut IMS Health bei 14 Prozent. Auf der Herstellerseite gibt es an der Spitze einen Wechsel: Mit Eucerin hat Beiersdorf erstmals Vichy (L'Oréal) überholt.

Laut IMS wurden im vergangenen Jahr in den Apotheken Kosmetika im Wert von 1,35 Milliarden Euro verkauft, das entspricht einem Wachstum von 1 Prozent. Während der Umsatz in der Offizin um 0,5 Prozent rückläufig war, konnten die Versandapotheken um 12 Prozent zulegen. Mit 183 Millionen Euro entfallen 14 Prozent auf diesen Bereich. Zum Vergleich: 2009 waren es noch 9 Prozent.

Noch deutlicher wird die Verschiebung auf Absatzbasis: Insgesamt wurden laut IMS 122 Millionen Packungen verkauft, das waren 2,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Während die Versandapotheken um 5 Prozent auf 16 Millionen Packungen zulegen konnten, verloren die Apotheken vor Ort um knapp 4 Prozent auf 106 Millionen Stück. Seit 2010 sind den Apotheken 10 Millionen Einheiten pro Jahr verloren gegangen, während der Versandhandel 5 Millionen Einheiten hinzugewinnen konnte.

Mit anderen Worten: Nur der Anstieg der Preise kaschiert den Rückgang auf Packungsebene. In den vergangenen fünf Jahren legte der durchschnittliche Packungspreis in der Offizin von 9,57 auf 11 Euro zu, im Versandhandel von 9,82 Euro auf 11,44 Euro. Das entspricht einem Anstieg um 15 beziehungsweise 16,5 Prozent.

Wichtigste Bereiche waren Damenkosmetik (521 Millionen Euro, plus 0,4 Prozent), Pflegeprodukte für die Familie (356 Millionen Euro, minus 1,1 Prozent), Haarpflege (204 Millionen Euro, plus 8,4 Prozent) und Körperhygiene (116 Millionen Euro, minus 0,3 Prozent). Zusammen machen diese vier Gruppen 89 Prozent des Gesamtumsatzes aus.

Insgesamt führt IMS 14 verschiedene Produktgruppen, allerdings weisen nur noch Orale Hygiene (56 Millionen Euro, plus 0,8 Prozent), Mundpflegezubehör (39 Millionen Euro, minus 2,6 Prozent), Babyhygiene und -pflege (21 Millionen Euro, minus 6,9 Prozent) sowie Schönheitszubehör (12 Millionen Euro, plus 13,2 Prozent) nennenswerte Umsätze auf.

Im Gesamtmarkt, der insgesamt weiter stark fragmentiert ist, hat sich erstmals Eucerin an die Spitze gesetzt. Weil die Umsätze nur um 1,7 Prozent auf 134 Millionen Euro rückläufig waren, L'Oréal sich bei Vichy aber mit 4 Prozent weniger zufrieden geben musste (132 Millionen Euro), zog die Beiersdorf-Marke vorbei. In den jeweiligen Teilsegmenten haben die Hamburger aber seit Jahren die Nase vorn.

Positiv entwickelte sich dagegen mit La Roche Posay die zweite wichtige Marke von L'Oréal: Die Umsätze legten um 8 Prozent auf 99 Millionen Euro zu. Ebenfalls um knapp 8 Prozent auf 79 Millionen Euro konnte Avène von Pierre Fabre zulegen. Dr. Theiss wiederum musste bei Medipharma einen Rückgang von 8 Prozent auf 55 Millionen Euro hinnehmen.

Größter Gewinner war Dermasence (P&M Cosmetics) mit einer Steigerung von knapp 24 Prozent auf 18,5 Millionen Euro. Regaine (J&J) konnte um 14 Prozent auf 34 Millionen Euro zulegen, Priorin (Bayer) um 12 Prozent auf 20 Millionen Euro. Allerdings liegt bei diesen Produkten der Versandanteil – wie bei allen Haarpflegeprodukten – mit 44 beziehungsweise 30 Prozent deutlich über dem Durchschnitt.

Weitere wichtige Marken sind Weleda, Eubos (Hobein), Ladival (Stada) und Physiogel (GlaxoSmithKline). Den niedrigsten Versandanteil mit je 5 Prozent haben Hauschka (Wala), Louis Widmer und Lierac (Alès Groupe Cosmetic).

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