Unrühmliches Ende einer Traditionsapotheke

, Uhr

Berlin - Die Hecht-Apotheke in der St.Galler Innenstadt macht zu. Die Geschichte des Unternehmens, das zur Hausmann-Gruppe gehört, ist lang und durchaus beeindruckend. Und doch geht sie derzeit unrühmlich zu Ende: Apotheker pensioniert, Mitarbeiterinnen gekündigt. Warum das Unternehmen, das außerdem Krankenhäuser beliefert und Sanitätshäuser betreibt, die Apotheke loswerden wollte, bleibt unklar.

Wie das Schweizer Tagblatt schreibt, ist die Hecht-Apotheke unter seltsamen Umständen aufgelöst worden. Vor rund einer Woche soll der Rechtsanwalt des Geschäftsführers in die Apotheke gekommen sein und die Mitarbeiter informiert haben, dass die Apotheke Ende September schließen werde. Den Mitarbeitenden wurde offenbar unter Einhaltung der Fristen gekündigt. Acht Frauen sollen dort bisher in Teilzeit gearbeitet haben.

Der Apotheker soll kurz vorher ordentlich pensioniert worden sein. Deshalb duften die Beschäftigten bereits seit Mitte September keine rezeptpflichtigen Medikamente mehr abgeben. Immer wieder hätten die Mitarbeiterinnen die Kunden unverrichteter Dinge wegschicken müssen, so das Tagblatt.

Der Anwalt der Firma in St.Gallen versicherte der Tageszeitung, man habe sich bis zuletzt darum bemüht, die Stellen der acht Pharmaassistentinnen der Hecht-Apotheke zu sichern. Er habe Übernahmegespräche mit Verantwortlichen verschiedener Apothekenketten geführt. Letztendlich hätten nun alle eine Absage erteilt. Eine Erklärung, die viele Fragen hinterlässt. Die Geschäftsführung war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Was hinter den Kulissen passiert ist, lässt sich also nicht nachvollziehen. Fest steht: Eine geordnete Geschäftsauflösung sieht anders aus.

Diesen Eindruck bestätigt die geplante Schließung der ebenfalls zur Hausmann Holding gehörenden Parfümerie in St. Gallen. Den zwei Verkäuferinnen soll bereits gekündigt worden sein. Von der Schließung nicht betroffen sei vorerst das Sanitätsgeschäft des Unternehmens.

Nach Recherchen des Tagblattes wurde das Unternehmen von Caspar Friedrich Hausmann mit der Eröffnung der Hecht-Apotheke im Jahr 1872 gegründet. In den Folgejahren baute der Apotheker die Apotheke immer weiter aus: Sie wurde zum Medizinal- und Sanitätsgeschäft mit Niederlassungen in der ganzen Schweiz.

1897 gelang Hausmann eine Pioniertat: In Zusammenarbeit mit Wilhelm Conrad Röntgen gründete er in St. Gallen eines der ersten Röntgeninstitute der Schweiz. 14 Jahre später zogt auch die Hecht-Apotheke dorthin. Auch nach seinem Tod setzte sich die Erfolgsgeschichte fort. Eine Pensionskasse und die Laboratorien Hausmann wurden gegründet. 1964 erwarben die Inhaber das Haus an der Marktgasse 9: Die Apotheke zog dorthin, im Gegenzug wurde das Sanitätsgeschäft ausgebaut. Mit der Schließung der Apotheke und der ungewissen Zukunft des übrigen Betriebs dürfte der 145 Jahre währende Aufwärtstrend des St. Galler Traditionsunternehmens nun also sein vorläufiges Ende gefunden haben.

Bleiben Sie auf dem aktuellsten Stand und abonnieren Sie den Newsletter von APOTHEKE ADHOC.

 

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres