Keine Apotheke ohne Ehepartner? | APOTHEKE ADHOC
Schließungen

Keine Apotheke ohne Ehepartner?

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Berlin -

Gleich zwei Apotheken segnen im pfälzischen Pirmasens noch bis zum Jahresende das Zeitliche. Der Inhaber der einen macht in erster Linie den Personalmangel, der andere die Rabattverträge verantwortlich. Beide konzentrieren sich auf noch verbleibende Apotheken.

Vor zehn Jahren übernahm Claus Schäfer die Pelikan-Apotheke, zum 31. Dezember wird sie ihre Pforten für immer schließen. „Das hat vor allem personelle Gründe“, sagt der Inhaber. „Ein Approbierter hat gekündigt, ich habe Ersatz gesucht und keinen gefunden. Für mich als einziger Apotheker wurde die Arbeitsbelastung zu viel.“ Zum 31. März 2018 laufe der Mietvertrag ohnehin aus. „Das gab mir die Gelegenheit zur Schließung.“

Kollege Axel Walter macht sogar schon am kommenden Donnerstag zum 30. November die Apotheke am Kirchgarten dicht. Auch er klagt, es werde immer schwieriger, geeignetes Personal zu finden. Walter übernahm 1984 die 20 Jahre zuvor eröffnete Apotheke. „Früher war es oft so: Man hat studiert und recht häufig war der Partner dadurch auch Apotheker“, berichtete er der Pirmansenser Zeitung. „Doch mittlerweile sind 85 Prozent der Studierenden Frauen, das geht rechnerisch nicht mehr auf.“

Zudem machten es die Rabattverträge immer schwerer, wirtschaftlich zu arbeiten: Früher habe der Pharmazeut einen gewissen Mengenrabatt für seine Medikamente bekommen, heute gehe ein Großteil dieser Rabatte an die Krankenkassen und die Allgemeinheit. „Das ist wohl mit ein Grund dafür, warum in Deutschland täglich eine Apotheke schließt.“

Den Rest habe ihm die anstehende Verlängerung des Mietvertrags gegeben. Die vom Hausbesitzer vorgesehene Mieterhöhung sei nicht akzeptabel gewesen. „Da klaffen die Vorstellungen zu weit auseinander.“

Das jeweils von den Schließungen betroffene Personal kommt weitgehend glimpflich davon: In der Apotheke am Kirchberg geht eine PTA in den Ruhestand, Walters approbierte Ehefrau macht in der familieneigenen Apotheke am Kirchgarten im benachbarten Vinningen weiter. Die drei Mitarbeiter der Pelikan-Apotheke sind ab dem nächsten Jahr in Schäfers Engel-Apotheke beschäftigt.

Als Vorstandsmitglied des Apothekerverbands Rheinland-Pfalz hat Schäfer die Entwicklung im gesamten Bundesland genau im Auge: „In den letzten drei, vier Jahren ist zu beobachten, dass ältere Apotheker, die in Rente gehen wollen, keinen Nachfolger mehr finden.“ Betriebe mit weniger als einer Million Euro Umsatz müssten fast gar nicht erst mit der Suche beginnen.

Zudem verwandele sich die Stadt: „Pirmasens hat heute etwa 5000 Einwohner weniger als noch vor zehn Jahren.“ Auch einige Arztpraxen seien verschwunden.

Seine Engel-Apotheke sieht er für die Zukunft gerüstet. „Wir sind in einem vor zwei Jahre eröffneten Ärztehaus ansässig.“ Die Einzelpraxen würden nach und nach verschwinden, glaubt er. „Wenn Ärzte sich in gemeinsamen Zentren zusammenschließen, müssen sich auch die Apotheken konzentrieren.“

13 Apotheken hätten in den vergangenen Jahren die Segel gestrichen. Kein Grund zu allzu großer Sorge, betont Schäfer: „Auch mit den noch verbleibenden neun Apotheken ist die Versorgung noch ausreichend. Auswirkungen für die Patienten gibt es nur beim Notdienst.“ Hier seien die Kollegen aus Rodalb jetzt mit im Boot. „Da muss unter Umständen etwas weiter gefahren werden.“

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