Österreich 

Honorarreform gefordert: „Leistung statt Packerl“ APOTHEKE ADHOC, 20.11.2017 14:00 Uhr

Berlin - Österreichs Apotheker fordern eine Reform der Apothekenhonorare. In einem Bericht der hauseigenen Fachzeitschrift sprach sich Raimund Podroschko, Vizepräsident der Apothekerkammer (ÖAK) und Präsident des Verbands Angestellter Apotheker Österreichs (VAAÖ), für eine leistungsbezogene Honorierung aus. Unterstützung bekam er vom Präsidenten des Apothekerverbandes, Jürgen Rehak. Doch über die genaue Ausgestaltung eines neuen Vergütungssystems ist man sich offenbar nicht einig.

Podroschko begründet seine Forderung mit der Entwicklung der Arzneimittelpreise. Und diese bezeichnete er in einem Bericht der Apothekerzeitung als dramatisch: „Billige Arzneimittel werden noch billiger, während teure noch teurer werden“, sagte der VAAÖ-Präsident. So „kratzten“ diverse gängige NSAR wie Paracetamol oder Novalgin zum Teil bereits an der Ein-Euro-Grenze. Auf der anderen Seite steige die Anzahl hochpreisiger Medikamente.

Diese teuren Arzneimittel könnten zwar Ertragsverluste ausgleichen, Podroschko sieht jedoch die Gefahr, dass der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger eine Direktlieferung der Krankenhäuser durch die Hersteller beziehungsweise den Großhandel durchsetzt. Apotheker hätten dann höheren Arbeitsaufwand bei sinkender Marge zu befürchten. Die Beratungsleistung, die bei der Abgabe von Arzneimitteln erbracht werden müsse, sei aber von Preis unabhängig, betonte er. Sie würde sogar immer stärker von den Patienten nachgefragt, egal, ob das Arzneimittel einen oder 1000 Euro koste. Er forderte daher eine Reform des Honorarsystems, das die Beratungsleistung des Apothekers und nicht den Preis des Arzneimittels zugrunde lege.

Eine „veritable Schieflage“ will auch Rehak erkannt haben: „Auf der einen Seite die extremen Verbilligungen bei einer mengenmäßig extrem großen Anzahl von Arzneimitteln, die viel Arbeit verursachen, aber pekuniär nicht mehr abgegolten sind, und auf der anderen Seite Arzneimittel, die extrem teuer sind, insbesondere die Innovationen, und deren Entwicklung den Sozialversicherungen Angst macht“, sagte er der Zeitung. Auch er sieht eine „gewisse Balance“ nur vorhanden, solange die Erträge durch hochpreisige Medikamente generiert werden.

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