Österreich

Deutschland als Honorar-Vorbild

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Berlin -

Internationaler Honorarvergleich: In Wien haben sich in der vergangenen Woche Apotheker aus Deutschland, der Schweiz und Österreich getroffen und ausgetauscht. Neben Maßnahmen gegen Arzneimittelfälschungen und für mehr Versorgungssicherheit stand die Honorierung pharmazeutischer Dienstleistungen auf dem Programm. Regelungen, wie es sie in Deutschland und der Schweiz bereits gibt, stehen bei den Österreichern noch auf der Wunschliste.

Dazu gehört zum Beispiel die Polymedikation: Die Schweizer Patienten könnten zweimal im Jahr auf Kosten der Sozialversicherungen einen Check durchführen lassen. Dieser sei mit dem Basismodell des Projektes Medikationsmanagement der Österreichischen Apothekerkammer vergleichbar, heißt es von dort.

Der Präsident des Schweizer Apothekerverbands Pharmasuisse, Fabian Vaucher, erklärte: „Die Schweizer Sozialversicherung hat den Vorteil von Polymedikations-Checks für die Kunden eindeutig erkannt und honoriert unsere Leistung, weil sie dem Gesundheitssystem insgesamt Vorteile bringt.“ Die Apotheker erhielten pro Check 48,60 Schweizer Franken, umgerechnet rund 44 Euro.

Auch wenn die deutschen Apotheker im geplanten E-Health-Gesetz in Sachen Medikationsplan derzeit noch außen vor sind – mit dem Modellprojekt ARMIN in Sachsen und Thüringen haben sie bereits eine Vorbildfunktion für Österreich: Max Wellan, Präsident der Österreichischen Apothekerkammer, betonte: „Diese Leistung muss auch in Österreich honoriert werden.“ Medikationsmanagement sei eine umfassende, zeit- und Know-how-intensive Beratungsleistung, die für den Patienten bessere therapeutische Erfolge und für das Gesundheitssystem finanzielle Vorteile bringe.

Beim Thema Nachtdienst schauen die österreichischen Apotheker ebenfalls in ihre Nachbarländer. In der Schweiz bekomme jede Apotheke von den Krankenkassen 17,30 Franken, umgerechnet knapp 16 Euro, pro Inanspruchnahme. Und in Deutschland werde der Dienst mit insgesamt rund 120 Millionen Euro im Jahr honoriert. „Ohne die extra Honorierung könnten wir die Nachtdienste in Deutschland in diesem Ausmaß nicht nachhaltig anbieten“, sagte ABDA-Präsident Friedemann Schmidt.

In Österreich hingegen würden die Kosten fast ausschließlich vom Berufsstand selbst getragen, kritisieren Kammer und Verband. Das koste die Apotheken insgesamt 33 Millionen Euro im Jahr. Die österreichischen Apotheker befürchten ein ähnliches Szenario wie in Deutschland – dass sie den Dienst künftig nicht mehr nachhaltig anbieten können.

„Auch wir müssen das Arbeitszeitgesetz umsetzen, was bedeutet, dass sich durch den steigernden Personalaufwand die Kosten erhöhen werden“, erklärte Raimund Podroschko, Vizepräsident der Apothekerkammer. „Um die für die Bevölkerung so wichtigen Nachtdienste in der Form beibehalten zu können, muss diese Leistung künftig extern unterstützt werden“, forderte er.

Weltweit geht der Trend aus Sicht der Apotheker in die Richtung neuer Leistungen, die Einsparungen für das Gesamtsystem bringen. „Nachhaltig sind neue Serviceleistungen in der Prävention, der Langzeitbetreuung chronisch Kranker, Inhalationsschulungen, Impfungen, Raucherintervention und weitere Public-Health-Aktivitäten nur umsetzbar, wenn diese dokumentiert und honoriert werden“, erklärte Jurate Svarcaite, Generalsekretärin des europäischen Apothekerverbands PGEU.

Vor diesem Hintergrund warnte Dr. Christian Müller-Uri, Präsident des Österreichischen Apothekerverbands: „In Österreich werden bis dato alle diese Leistungen, die wir gerne im Sinne unserer Kunden erbringen, alleine aus dem Apothekerstand finanziert, was auf Dauer nicht machbar ist.“ Es müsse auch in Österreich ein Umdenken der Politik erfolgen, dass die Apotheken als eine der tragfähigsten Säulen des Gesundheitssystems für zusätzliche Leistungen angemessen honoriert würden.

Mit ihrem Honorar sind die österreichischen Apotheker nicht zufrieden, schließlich bekämen sie deutlich weniger als ihre Kollegen in anderen EU-Ländern: Die österreichische Apothekenspanne im Kassenmarkt betrage bei einer Durchschnittspackung 2,61 Euro, während ihre Kollegen im EU-Ausland 2,92 Euro pro Packung verrechnen könnten.

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