Droht das totale Impfchaos?

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Moderna: Wirksam, aber unpraktisch

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) in Hessen erklärt die Zurückhaltung der Ärzte: Zunächst sei der Impfstoff gar nicht an die Praxen ausgeliefert worden, dann in für Praxen nur bedingt tauglichen Vials mit je zehn Dosen. Aufgrund seiner sehr sensiblen Handhabung sei er für Hausbesuche kaum geeignet, für Menschen unter 30 Jahren komme er wegen der Gefahr von Herzmuskelentzündungen nicht in Frage. „Diese vermeintlich banalen Rahmenbedingungen sorgen dafür, dass sich der Impfstoff nur schwierig in der Organisation einer Praxis einsetzen lässt.“

Unabhängig davon sei man von der Wirksamkeit unbedingt überzeugt und vollkommen unbesorgt darüber, dass der Großteil der Auffrischungen nun mit diesem Impfstoff durchgeführt werde. Die KV-Chefs Frank Dastych und Dr. Eckhard Starke appellieren daher an die Bürgerinnen und Bürger, sich „nicht von den mehr als unglücklichen Aussagen des geschäftsführenden Bundesgesundheitsministers verunsichern zu lassen“ und stattdessen ihren niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten zu vertrauen. „So wie sie sich während der gesamten Pandemie auf ihre Ärztin oder Ihren Arzt verlassen konnten.“

Hoffnung auf Restbestände

Einzige Hoffnung, dass in der kommenden Woche doch noch genügend Impfstoff in den Praxen für alle Termine zur Verfügung steht, könnten die Lieferungen aus dieser Woche sein. Laut BMG wurden am Montag sechs Millionen Dosen ausgeliefert, in der Spitze hatten die Praxen im Juni mehr als 3 Millionen Impfungen pro Woche verabreicht.

8,5 Millionen Booster-Impfungen

Dass es jetzt zu einem Ansturm kommt, steht aber außer Frage. Denn sechs Monate nach der Grundimmunisierung stehen die Booster-Impfungen an. Diejenigen, die Ende Mai zum zweiten Mal geimpft wurden, sollten demnach zeitnah erneut ein Impfzentrum oder eine Arztpraxis aufsuchen und sich zum dritten Mal impfen lassen. Alleine in den Impfzentren wurden bis Ende Mai 11,7 Millionen Zweitdosen verimpft. In den Arztpraxen waren es bis zu diesem Datum 2,9 Millionen Zweitdosen. In der Summe macht das 14,6 Millionen abgeschlossene Impfungen, die jetzt – mehr oder weniger plötzlich – aufgefrischt werden müssen. Dazu kommen knapp eine halbe Million Menschen, die bis Ende Mai eine Janssen-Impfung erhalten hatten und jetzt ebenfalls zur Auffrischung müssen.

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