Covid-19: Neurologische Komplikationen bei Kindern

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Berlin -

Kinder erkranken insgesamt seltener an Covid-19. Oftmals verläuft die Infektion schwächer oder gar asymptomatisch. Kommt es jedoch zu schweren Verläufen, leiden sie häufiger unter neurologischen Komplikationen als Erwachsene. Dies zeigt eine im Fachjournal „Lancet Child and Adolescent Health“ veröffentlichte Untersuchung aus Großbritannien.

Um neuropsychiatrische Komplikationen von Covid-19 zu bündeln, haben die britischen Fachverbände zu Beginn der Pandemie das „CoroNerve-Register“ eingerichtet. Dort können Kliniken entsprechende Meldungen vornehmen. Nachdem zunächst nur Fälle von Erwachsenen eingetragen wurden, häuften sich schließlich auch Einträge über Kinder mit neurologischen Komplikationen.

Innerhalb von zehn Monaten wurden bis zum 1. Februar 2021 in England bei 51 von 1334 hospitalisierten Kindern und Jugendlichen derartige Meldungen vorgenommen. Das entspricht einer Prävalenz von 3,8 Fällen auf 100 Kinder. Verglichen mit der Prävalenz bei Erwachsenen von 0,9 Fällen pro 100 Patienten liegt sie damit deutlich höher.

Meist zeigten die Kinder zunächst milde Symptome. Im Anschluss entwickelte sich dann jedoch ein multi­systemisches Entzündungssyndrom (MIS-C). Dieses wurde zu Beginn der Pandemie aufgrund der Ähnlichkeit der Symptome oft mit dem Kawasaki-Syndrom verglichen. In Großbritannien trägt es mittlerweile auch die Bezeichnung „paediatric inflammatory multisystem syndrome temporally associated with Sars-CoV-2 infection“ – oder kurz: PIMS-TS. Dabei kommt es zu einer Immunreaktion, die unmittelbar mit der Covid-Infektion zusammenhängt. 20 von 25 Kindern, die an PIMS-TS erkrankten, mussten auf der Intensivstation behandelt werden. Bei 13 war eine medikamentöse Kreislaufunterstützung notwendig.

Bei den Kindern zeigten sich unter anderem Enzephalopathien. Diese gingen in einigen Fällen mit Verhaltensänderungen, Hallizunationen oder Krampfanfällen einher. Auch eine Beteiligung des peripheren Nervensystems war möglich. Es zeigte sich, dass auch Kinder ohne PIMS-TS Krampfanfälle erlitten, diese waren durch den schweren Covid-Verlauf bedingt.

Schwere Durchblutungsstörungen, wie sie oft bei Erwachsenen mit Covid-19 auftreten, wurden bei den Kindern jedoch nur selten beobachtet. Dennoch erlitten zwei Kinder einen Schlaganfall, durch den eins der Kinder verstarb. 17 Kinder der Untersuchung wurden mit Behinderungen entlassen. Unklar ist, ob sie sich von diesen später noch erholen.

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