„Zurzeit hat kaum eine Apotheke Spaß am Laientest-Geschäft“

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Berlin - Die Nachfrage nach Corona-Tests ist ungebrochen hoch. Doch Apotheken haben immer weniger davon, denn kaum eine kann zu den Konditionen von Drogerien und Supermärkten anbieten. Wenn sie dann wenigstens einfach zu bekommen wären – doch auch das ist derzeit nicht der Fall, berichtet Apotheker Bodo Schmitz-Urban. Seit Wochen beliefert er Apotheken im ganzen Bundesgebiet mit Schnell- und Selbsttests. Doch seine Kontakte nach China stoßen mittlerweile an ihre Grenzen: abgesagte Lieferungen, gekürzte Mengen und komplizierte Lieferwege halten die Preise oben.

Wer versucht, auf eigene Faust Corona-Tests zu organisieren, braucht in den letzten Tagen oft gute Nerven. „In den vergangenen beiden Wochen ist kaum Ware nach Deutschland gekommen“, sagt Schmitz-Urban. Der Inhaber der beiden Falken-Apotheken in Wuppertal bietet mit seinem Unternehmen BSU Consulting auch strategische Beratung für andere Apotheken an – seit März unterstützt er sie auch operativ. Ende März fuhr er mit seinem Camper quer durch die Republik und belieferte ein gutes Dutzend Apotheken persönlich. Denn er hat nach eigenen Angaben gute Kontakte zu zuverlässigen Lieferanten in China, über die er bis jetzt gut 250.000 Tests importiert hat. Doch das geriet im April ins Stocken, wie er beschreibt.

Mehrere Liefertermine seien ihm allein in den vergangenen zehn Tagen abgesagt worden, Hotgen beispielsweise – zuvor sein Hauptlieferant – liefere derzeit kaum etwas. „Oft ist es aber nicht so, dass gar nichts geliefert wird, sondern geringere Mengen als anfangs zugesagt“, erzählt er. „Wir müssen dann Kunden anschreiben und erklären, dass nicht die bestellten Mengen gekommen sind. Das ist für alle Beteiligten erhöhter Aufwand und kann sehr frustrierend sein.“ Auch der Worst Case ist aber schon eingetroffen: „Ich hatte auch schon eine Bestellung über 100.000 Stück, die komplett geplatzt ist.“

Konkrete Gründe seien ihm bisher nicht mitgeteilt worden, doch es soll Probleme aufgrund der gestiegenen Nachfrage geben. So sei es vereinzelt aufgrund der Erhöhung der Produktionsmengen zu Schwierigkeiten bei der Qualitätssicherung gekommen sein, teilweise seien Aufträge aber auch aus politischen Gründen umgebucht wurden – wenn in China beschlossen wird, dass erst der heimische Bedarf gedeckt werden muss, bleibt dem Hersteller meist keine andere Wahl.

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