Zahlungsmoral leidet wegen Corona

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Berlin - Der Konjunktureinbruch durch die Corona-Krise hat nach einer Studie der Wirtschaftsauskunftei Creditreform das Zahlungsverhalten von Unternehmen verschlechtert. Die durchschnittliche Verzugsdauer bei offenen Rechnungen sei im ersten Halbjahr auf 10,82 Tage gestiegen (plus 0,13 Tage im Vergleich zum 2. Halbjahr 2019), berichtete Creditreform am Montag nach Auswertung von rund 3,5 Millionen Rechnungsbelegen. Dies sei der höchste Wert seit Beginn der Erhebung im Sommer 2015.

„Insgesamt hat die Krise einen spürbaren Druck auf die Liquidität erzeugt“, heißt es in der Studie. Negative Auswirkungen der Pandemie auf das Zahlungsverhalten ließen sich vor allem in der Industrie und in Exportbranchen beobachten. Beide Bereiche seien von der Krise unmittelbar getroffen worden. Zugenommen haben die Zahlungsverzögerungen insbesondere bei Geschäftstransaktionen mit der Chemieindustrie und der Grundstoffbranche. Das Logistikgewerbe hat die Gläubiger dagegen weniger belastet und weist geringere Zahlungsverzögerungen auf.

Gleichzeitig stieg die Höhe der verspätet bezahlten Rechnungen laut Creditreform im gewerblichen Bereich deutlich an. Mit 2188 Euro lag der Durchschnittsbetrag im B2B-Geschäft um gut 5 Prozent über dem Vorjahresniveau und sogar rund 23 Prozent höher als 2016.

Ein Anstieg der Zahlungsverzögerungen bedeute für die davon betroffenen Vorlieferanten und Kreditgeber höhere Ausfallrisiken, warnte Creditreform – zumal die Insolvenzentwicklung im bisherigen Jahresverlauf bedingt durch Sondereffekte wie die „Aussetzung der Insolvenzantragspflicht“ das Krisengeschehen bisher nur unzureichend widerspiegelt. Warnsignale ergeben sich beispielsweise aus dem Anstieg der Verzugsdauer und höheren Forderungslaufzeiten in wichtigen Branchen. Auch nahmen die Rechnungswerte in den letzten Jahren deutlich zu, damit einher gingen höhere Liquiditätskosten für Lieferanten. „Damit droht eine Kettenreaktion insbesondere in stark verflochtenen Wirtschaftsbereichen bis hin zu vermehrten Insolvenzanmeldungen.“

Die durchschnittliche Forderungslaufzeit lag in den ersten sechs Monaten leicht unter dem Vorjahreswert (42,88 vs. 43,11 Tage). Diese Zahl verdeutlicht, dass im Schnitt rund 1,5 Monate vergehen, bis der Erbringer einer Leistung sein Geld erhält. Sie setzt sich aus dem Zahlungsziel und einem eventuellen Zahlungsverzug zusammen. In den zurückliegenden Monaten hat die Kürzung der Zahlungsziele durch die Lieferanten von 32,33 (1. Halbjahr 2019) auf 32,06 Tage (1. Halbjahr 2020) einen Anstieg der Außenstandsdauer verhindert.

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