„Wir jonglieren mit vier Impfstoffen“

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Berlin - Apotheker Dr. Philipp Hoffmann hat gestern die erste Lieferung des Vektorviren-Impfstoffs von Janssen erhalten. Die Vials sind nicht für Arztpraxen gedacht, sondern werden über das Impfzentrum des Kreises Paderborn verimpft. Zunächst steuern mobile Teams Unterkünfte für Obdachlose an. Insgesamt sind für Mai laut Bundesgesundheitsministerium (BMG) 192.000 Dosen des Impfstoffes angekündigt.

Hoffmann ist für die pharmazeutische Leitung des Impfzentrums des Kreises Paderborn in Salzkotten zuständig. Gestern seien die ersten rund 60 Vials mit je fünf Impfdosen à 0,5 ml von Janssen im Impfzentrum eingetroffen, sagt der Inhaber der Dom Apotheke am Theater. Mobile Impfteams seien seit heute unterwegs. Sie fahren zu verschiedenen Einrichtungen, in denen Obdachlose schlafen können.

Janssen sei für diese Gruppe vorteilhaft, weil er nur einmal verimpft werden müsse – dann sei bereits der vollständige Impfschutz erreicht. Auch in anderen Regionen wie in Hamburg und Bayern soll der neue Impfstoff von Johnson & Johnson (J&J) zunächst vorrangig Obdachlosen verabreicht werden. „Wir fahren hier kleine Unterkünfte mit vier bis fünf Menschen und große Schlafhäuser an“, sagt Hoffmann. Er geht davon aus, dass das Angebot gut ankomme und die erste Lieferung in dieser Woche verimpft werde.

Vor Ort in Salzkotten gebe es momentan einen Ansturm auf das Imfpzentrum. „Die Personen, die erstmals den Impfstoff von AstraZeneca erhalten haben, sind jetzt mit der Zweitimpfung an der Reihe“, sagt Hoffmann. So zügig wie in der ersten Runde läuft es angesichts der Nachrichten über die Möglichkeit von seltenen schweren Nebenwirkungen nicht. Menschen in einem Alter unter 60 Jahren werde ein mRNA-Impfstoff wie Corminaty von Biontech als Alternative angeboten. Betroffen sind rund 2000 Personen.

„Auf Wunsch können sie auch Vaxzevria erhalten“, so der Apotheker. Die Formulierung „auf Wunsch“ und der Zusatz „auf eigene Verantwortung“ erzeugten Nachfragen. „Das kostet Zeit, weil man die Leute ja auch informieren will. Es ist sehr beratungsintensiv.“ Dazu komme Moderna und jetzt neu Janssen. „Wir jonglieren mit vier Impfstoffen.“ Seit Ende April werden auch chronisch Kranke unter 60 aus dem Kreis Paderborn geimpft. Insgesamt wird im Impfzentrum pro Person etwa eine Stunde eingeplant.

Angesichts der Zweitimpfungen befinde sich das Zentrum nahezu in der vollen Auslastung. „Wir sind weit davon entfernt, geschlossen zu werden“, sagt Hoffmann. Andere Impfzentren dagegen müssen wegen zu wenig Impfstoff vorübergehend schließen. Der Apotheker befürwortet, dass seit sechs Wochen auch Hausärzte in die Impfstrategie des Bundes eingespannt sind. „Alle müssen aktiv werden“, sagt er. Auch Impfungen in Apotheken hält er für sinnvoll, auch wenn bei dieser Überlegung „viele Interessen kollidieren“.

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